• Im Alter von 94 Jahren gestorben: Die Kalaschnikow schießt und schießt - ihr Erfinder ist tot

Im Alter von 94 Jahren gestorben : Die Kalaschnikow schießt und schießt - ihr Erfinder ist tot

"Awtomat Kalaschnikowa Modell 1947" heißt das Sturmgewehr AK-47 mit vollem Namen. Besser bekannt ist es unter dem Namen seines Erbauers. Der starb jetzt im Alter von 94 Jahren in Russland.

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Michail Kalaschnikow Foto: dpa
2007, am 60. Geburtstag der Waffe, posiert Michail Kalaschnikow im Moskauer MilitärmuseumFoto: dpa

Es gab seltene Momente, in denen Michael Timofejewitsch Kalaschnikow zweifelte, ob seine Erfindung gut war. 2006, auf einer UN-Konferenz zu Kleinwaffen kritisierte er das Fehlen einer wirksamen internationalen Kontrolle des Waffenhandels. Und sagte, er sei „bestürzt, dass gerade meine Gewehre auf der Welt so viel Unheil anrichten“. Andererseits wurde der Erfinder des Sturmgewehrs AK-47 nie zum Pazifisten – hätte ja sein können.

Im „Stern“ verteidigte er einmal die zweifelhafte Ehre, ein Massenmordinstrument entwickelt zu haben, so: „Die Kugel selbst ist dumm, bloß ein Stück Blei. Die Waffe ist der Mittler im ewigen Zweikampf zwischen Gut und Böse. Und solange die Welt unvollkommen und voll Krieg ist, brauchen wir Waffen.“
Jetzt starb der russische Waffenkonstrukteur im Alter von 94 Jahren, wie die Behörden der Teilrepublik Udmurtien am Montag der Agentur Interfax mitteilten. Es ging ihm schon eine ganze Weile nicht gut. Seit Wochen lag er auf der Intensivstation des Krankenhauses der Stadt Ischewsk im Ural, etwa auf halbem Weg zwischen Kasan und Perm. Ein Schwächeanfall hatte ihn niedergeworfen, und es war nicht der erste. Berichten zufolge musste der altersbedingt angeschlagene Mann wiederbelebt werden.

Mit 100 Millionen Stück die meistproduzierte Waffe der Welt

Das vollautomatische sowjetische Gewehr AK-47, 1947 als Prototyp erstmals hergestellt, ist mit rund 100 Millionen Stück die meistproduzierte Waffe der Welt. Noch immer sind mindestens 60 Millionen Gewehre im Umlauf. Es gibt zahlreiche Nachbauten, etwa den „Typ 56“ aus China, die „Tabuk“ aus dem Irak, die jugoslawisch-serbische M-70 von Zastava und das Schweizer Sturmgewehr 90. Wie viele Menschenleben die Schnellfeuerwaffe auf dem Gewissen hat, kann keiner zählen – es dürften viele Millionen sein. Etwa 50 Länder, von Ägypten über China bis Polen, nutzten die AK-47 oder ihre Varianten als Standardgewehr für ihre Truppen. Die Waffe gilt als besonders robust. Experten sagen, es sei möglich, sie im Sumpf zu lagern, sie herauszunehmen und sofort schießen zu können.

Mitglieder der Palästinensischen Sicherheitskräfte 2009 mit ihren Kalaschnikow-Sturmgewehren Foto: dpa
Mitglieder der Palästinensischen Sicherheitskräfte 2009 mit ihren Kalaschnikow-SturmgewehrenFoto: dpa

Kalaschnikow hatte ein bewegtes Leben. Als Sohn armer Bauern wurde er am 10. November 1919 im Dorf Kurja im Altaigebirge geboren. Er hatte 18 Geschwister, war selbst die „Nummer 17“ von 19. Nur sechs der Kinder erreichten das Erwachsenenalter, auch Michail beinahe nicht. Unter Stalin wurde die Familie deportiert. Als Panzerkommandant kämpfte er im „Großen Vaterländischen Krieg“, wurde 1941 in einer Schlacht verletzt – und begann im Lazarett erste Konzepte für ein neues Gewehr zu entwerfen.

Kalaschnikow hatte finanziell wenig von seinem tödlichen Jahrhundertentwurf. Die Geschäfte machten andere. Er lebte in den letzten Jahren von einer knappen Pension in einer kleinen Wohnung. Dafür bekam er Orden: 1949 den Stalinpreis, 1964 den Leninorden. Zweimal, 1958 und 1976, wurde er zum „Helden der sozialistischen Arbeit“ gekürt. 2007, zum 60. Geburtstag der Waffe, posierte Kalaschnikow vor der Flagge der UdSSR. Zwei Jahre später, zu seinem 90. Geburtstag, ernannte ihn Dmitri Medwedew zum „Helden der Russischen Förderation“. Medwedew sagte damals, Kalaschnikow habe ein Produkt geschaffen, auf das „jeder Russe stolz ist“.

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