Initiative für ein weltoffenes Dresden : Dresdner entwickeln App für Flüchtlinge

Zwei Dresdener IT-Unternehmen haben sich zusammengeschlossen und eine App für Flüchtlinge in der Stadt veröffentlicht. Sie soll ihnen bei der Ankunft helfen. Und ein Zeichen für eine weltoffene Stadt setzen.

René Bosch
Demonstration für ein weltoffenes Dresden. Auch Viola Klein, Initiatorin der App, sprach im Januar bei der Kundgebung.
Demonstration für ein weltoffenes Dresden. Auch Viola Klein, Initiatorin der App, sprach im Januar bei der Kundgebung.Foto: Arno Burgi/dpa

Dresden und Flüchtlinge, das war im vergangenen Jahr eine düstere Geschichte. Ein als Hitler posierender Demagoge zählte dazu, Menschenmassen die sogenannten patriotischen Europäern folgten und „Wir sind das Volk“ – Chöre, gerichtet gegen die Fremden, den Islam, gegen die Veränderung an sich. Diesen Schatten wollen viele Dresdner hinter sich lassen, Viola Klein und Peggy Reuter-Heinrich sind zwei davon. Sie wollen den Ruf ihrer Stadt verbessern, Flüchtlingen helfen und zwar in einem Bereich, in dem sie wirklich helfen können.

Das Ergebnis ist die App „Welcome to Dresden“, auf dem Smartphone-Bildschirm erscheint sie als ein kleines Symbol zweier sich im Arm haltenden Figuren, darunter steht einfach „Welcome“. Sie soll eine erste Orientierungshilfe für neu angekommene Flüchtlinge sein, von den ersten Schritten in der neuen Stadt bis hin zu einem detaillierten Leitfaden zum Ablauf des Asylverfahrens.  „Nach ihrer Ankunft in Deutschland müssen sie unverzüglich die Bundespolizei oder die Ausländerbehörde kontaktieren“ steht im ersten Schritt für ankommende Flüchtlinge, natürlich in Englisch. Für die Windows-Version werden auch Deutsch, Russisch, Französisch und Arabisch angeboten.

"Sollen sie anstatt Handys Kühlschränke mitnehmen?"

„Die Smartphones könnten die Lösung für die Informationsdefizite der Flüchtlinge sein“, erklärt Peggy Reuter-Heinrich, die eines der beteiligten Unternehmen führt. „Mit der App können Flüchtlinge Informationen über Krankenversicherung, Behörden und Deutschkurse erhalten.“ Die kritischen Stimmen, die von Flüchtlingen mit Edel-Handys sprechen, lassen sie kalt. „Das ist ihre einzige Verbindung in die Heimat. Sollen sie anstatt des Handys ihren Kühlschrank mitnehmen?“

Blick in die App: Unter "Beratung und Behörden" finden die Flüchtlinge Informationen und Kontaktadressen
Blick in die App: Unter "Beratung und Behörden" finden die Flüchtlinge Informationen und KontaktadressenScreenshot: Tagesspiegel

Ende Juni erschien die erste Version für Windows-Smartphones, ein Monat später folgte die Version für die weitaus mehr verbreiteten Android-Phones. Die Entwicklung übernahmen  die zwei Dresdner IT-Unternehmen Saxonia Systems und HeiRes. Sie legten den Konkurrenzkampf beiseite, stellten Mitarbeiter ab und engagierten sich für den guten Zweck. „Wäre ich eine Privatperson, würde man wohl von einem Ehrenamt sprechen“, sagt Reuter-Heinrich. In Kürze wird ein syrischer IT-Entwickler zu ihnen stoßen, im Moment würden die Formalien geregelt, aber er „passt super in unser Team“. Er soll helfen, die App anzupassen. Als Flüchtling wisse er besser als Deutsche, was wichtig bei der Ankunft in der Ferne sei.

„Bringt das was? Können wir das? Dann machen wir das!“

Die Entwicklung sei vor allem durch das Engagement der Mitarbeiter möglich. Einige von ihnen hätten Patenschaften für Flüchtlinge in Dresden übernommen, im Unternehmen von Viola Klein herrsche eine weltoffene Einstellung, sagt die Initiatorin der App.  „Bringt das was? Können wir das? Dann machen wir das!“, so beschreibt sie den Entscheidungsprozess. Im Januar noch hatte sie vor 35.000 Menschen gesprochen, für ein weltoffenes Dresden, gegen Pegida, direkt nach Roland Kaiser. In ihrem Unternehmen sei man völlig anderer Meinung als die Ausländerfeinde gewesen, dann sei die Idee für die App entstanden.

Blick in die App: Auch über die Stadt selbst können sich die Flüchtlinge informieren
Blick in die App: Auch über die Stadt selbst können sich die Flüchtlinge informierenScreenshot: Tagesspiegel

Das Prinzip der Anwendung ist dabei simpel, aufgebaut ist sie wie ein virtuelles Verzeichnis, nach Kategorien sortiert. Unter Stichworten wie „Beratung und Behörden“, „Asylsystem“ oder „Notfälle und Versorgung“ finden die Flüchtlinge Öffnungszeiten, Adressen und Telefonnummern von Anlaufstellen. Diese Informationen zusammenzutragen, sei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe gewesen sagt Klein, vor allem die sächsische Staatskanzlei und die Arbeitsagentur seien aber sehr hilfreich gewesen. Innerhalb dieses Jahres wolle man das System erweitern, andere Städte könnten die App mit eigenen Inhalten füllen und Flüchtlingen so ebenfalls Informationen bieten. Dazu erhielten die Unternehmen jetzt Unterstützung der Technische Universitäten in München und Dresden. Auch eine Version für Windows-Computer soll erscheinen, so könnten Flüchtlinge die unter Umständen vorhandenen PCs in deren Unterbringungen verwenden.

Die Flüchtlinge erhalten aber mehr als ein digitales Telefonbuch für wichtige Adressen, die App ermöglicht ihnen auch einen Einblick wo sie sich eigentlich befinden. In drei Kategorien wird die Geschichte, Kultur und Politik von Deutschland, Sachsen und Dresden erklärt. In der deutschen Sektion unter dem Stichwort „Menschen“ steht dort: „Die Deutschen sind für ihre meist freundliche und hilfsbereite Art bekannt und bereit, sie in ihrem Land willkommen zu heißen.“

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