Integration : Mehr Gleichberechtigung auf den Stundenplan?

Die Bundestagsfraktion der Grünen fordert eine Ausweitung des Themas „Gleichheit von Mann und Frau“ in Integrationskursen.

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Deutschstunde. Syrische Flüchtlinge besuchen einen Integrationskurs.
Deutschstunde. Syrische Flüchtlinge besuchen einen Integrationskurs.Foto: dpa

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern soll nach dem Willen der Grünen in den Integrationskursen nicht mehr nur Randthema sein. „Dieser Aspekt muss dringend gestärkt werden. Mit einem Umfang von drei Stunden ist er deutlich unterbelichtet“, sagt die stellvertretende Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katja Dörner, dem Tagesspiegel. Derzeit bestehen Integrationskurse, die mittlerweile auch einem Teil der Flüchtlinge offenstehen, aus einem Sprachkurs (600 Stunden) und einem Orientierungskurs (60 Stunden). In Letzterem geht es darum, Zuwanderern nicht nur die Rechtsordnung, Kultur und Geschichte Deutschlands näherzubringen, sondern auch Werte, die hierzulande als wichtig angesehen werden.

Das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erarbeitete Curriculum für den Orientierungskurs sieht unter anderem drei Unterrichtseinheiten vor, in denen es um Emanzipation, die Rolle der Frau und das im Grundgesetz verankerte Gleichheitsprinzip geht. Zu wenig, wie die Grünen-Politikerin Katja Dörner findet.

Sie wirbt dafür, Studien in Auftrag zu geben „zur Frage der Geschlechterbilder, die mit den Flüchtlingen eventuell zu uns kommen“. Angesichts der „ungenügenden Faktenbasis“ sei dies „bitter nötig“, sagt Dörner. Sie ist auch überzeugt, dass mehr Wissen in dieser Frage auch gegen „pauschale Vorurteile und Stammtischparolen“ helfen würde.

Das Innenministerium sieht kein Defizit

Doch auf ihre Frage an das Bundesinnenministerium, ob die Bundesregierung in dieser Frage initiativ werden wolle, erhielt die Abgeordnete eine ablehnende Antwort. Es seien der Bundesregierung keine speziellen Forschungsergebnisse zur Vermittlung von Gleichberechtigung bekannt, noch gebe es konkrete Vorbereitungen dazu, solche Forschungen in Auftrag zu geben, schreibt Innen-Staatssekretär Günter Krings. Er verweist nur allgemein darauf, dass der Vermittlung von Grundwerten in den Integrationskursen, zu denen die Gleichberechtigung von Frau und Mann gehöre, ein „hoher Stellenwert“ zugemessen werde.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge überarbeitet derweil das Curriculum der Integrationskurse, wie eine Sprecherin mitteilte. So soll zum einen die Stundenzahl des Orientierungskurses erhöht werden, aber auch Aspekte wie die Gleichberechtigung sollen intensiviert werden.

Außerdem entwickelt die Behörde einen Gesprächsleitfaden zur Vermittlung von Inhalten des Grundgesetzes, der vor allem für ehrenamtliche Helfer gedacht ist. Darüber hinaus werde an einer Broschüre „Das Grundgesetz – Basis unseres Zusammenlebens“ gearbeitet, die in verschiedenen Sprachen erscheinen soll, unter anderem auf Arabisch und Farsi. Dort werde es auch um das Thema Gleichberechtigung gehen, sagte die Sprecherin des Bundesamtes.

In der Praxis bedeutete Gleichberechtigung auch Kinderbetreuung

Nach Ansicht der Grünen-Politikerin Dörner reicht es allerdings nicht aus, die Kursinhalte zu überarbeiten. Sie fordert auch, dass der Bund wieder die Kosten für die Kinderbetreuung übernehmen soll, wie das bis Mitte 2014 der Fall war. „Das ist notwendig, damit die Eltern und insbesondere die Mütter auch an den Integrationskursen teilnehmen können“, sagt Dörner. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 nahmen nach Angaben des BAMF insgesamt 197.000 Menschen an Integrationskursen teil, darunter gut 83 000 Neuzuwanderer. Von den neuen Kursteilnehmern waren etwa die Hälfte Frauen und Männer. Aus den Kommunen hatte es Klagen gegeben, dass insbesondere Mütter bei fehlender Kinderbetreuung die Integrationskurse nicht in Anspruch nehmen.

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