Internationaler Frauentag : Gleichstellung ist lohnabhängig

Die mittlere, arbeitende Generation sieht die Frauenrechte in Deutschland noch nicht erfüllt.

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Demo zum Frauentag 2015 in Berlin.
Demo zum Frauentag 2015 in Berlin.Foto: Imago

Die Mehrheit der Deutschen der mittleren Generation spricht sich für eine konsequente Gleichstellung von Frauen und Männern aus, hält dieses Ziel aber bis heute für nicht realisiert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben hat und die dem Tagesspiegel vorliegt. Laut der Studie des Delta-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung sprechen sich 80 Prozent der Frauen und Männer zwischen 30 und 50 Jahren für eine konsequente Gleichstellung der Geschlechter im Beruf und im Privatleben aus.

Nur zwölf Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer halten die Gleichstellung bereits für erreicht. Für entscheidend sehen beide Geschlechter dabei die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen an. Fast alle Frauen (96 Prozent) halten gleiche Stundenlöhne bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit für essenziell für die Gleichstellung. Immerhin 92 Prozent der Frauen finden auch, dass Frauenberufe genauso bezahlt werden müssten wie Männerberufe, um Gleichstellung zu verwirklichen.

Typisch Mann? Diese Frauen arbeiten in Brandenburg in typischen Männerberufen. Richtig viele sind sie noch nicht.
Typisch Mann? Diese Frauen arbeiten in Brandenburg in typischen Männerberufen. Richtig viele sind sie noch nicht.Foto: Patrick Pleul

Trotz etwa gleicher Schulabschlüsse beider Geschlechter in dieser Altersgruppe sind nur 39 Prozent der Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren Vollzeit erwerbstätig, aber 88 Prozent der Männer. Ein eigenes Nettoeinkommen von mehr als 20.000 Euro haben nur zehn Prozent der Frauen dieser Gruppe, aber 42 Prozent der Männer im gleichen Alter.

Manuela Schwesig treibt die Debatte voran

Unmittelbar vor dem Weltfrauentag am 8. März sieht sich das Familienministerium durch die Umfrage in seiner Politik bestätigt: „Die Studie zeigt, dass das Gesetz zur Lohngerechtigkeit richtig und notwendig ist“, sagte Staatssekretär Ralf Kleindiek, der Ministerin Manuela Schwesig (SPD) in der Mutterpause vertritt.

Mit dem Gesetz wolle das Ministerium die Gehaltsstrukturen zum Thema und die Lohnungleichheit sichtbar machen, die zwischen Frauen und Männern herrsche. Obwohl Frauen heute so gut ausgebildet seien wie nie zuvor, stagniere die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bei fast 22 Prozent. „Die Gründe für den Gender Pay Gap sind bekannt – doch nur, weil die Lohnlücke zu erklären ist, ist sie noch lange nicht gerecht“, sagte Kleindiek: „Die meisten Frauen wissen nicht, ob sie gut oder gerecht bezahlt werden.“ Jeder Betrieb, jedes Unternehmen müsse ein Interesse daran haben, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.

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