Internet : Deutschlands Sicherheit wird in Bonn verteidigt

Seit einem Jahr hat Deutschland ein Cyberabwehrzentrum. Es soll das Land vor Internet-Angriffen schützen. Ein Besuch im Lagezentrum.

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Hier wird Deutschlands Sicherheit verteidigt. Aber als Datensoldaten betrachten sich die IT-Experten im Bonner Bundesamt nicht. Vielmehr als Grundlagenforscher und Fährtenleser.
Hier wird Deutschlands Sicherheit verteidigt. Aber als Datensoldaten betrachten sich die IT-Experten im Bonner Bundesamt nicht....Foto: Norbert Ittermann

Das Telefon klingelt. Ein junger Mann sitzt neben dem Apparat, ein Bügel seiner schwarzen Brille ist notdürftig mit Klebeband repariert. Er hat Dienst und ist allein dort, im dritten Stock eines unscheinbaren Zweckbaus an der Godesberger Allee in der Bonner Innenstadt. Am Kopfende des Raumes winden sich Graphen, türmen sich Cluster und klettern Balkendiagramme an Skalen über sechs große Flachbildschirme. Jetzt, an einem Donnerstagmittag, rauscht der Cyberspace friedlich vor sich hin, und der Mann mit der kaputten Brille ist gerade dabei, eine Beschwflameerde wegen eines vermeintlich fehlerhaften Sicherheitszertifikats zu bearbeiten. Nun unterbricht er das Tippen und hebt den Hörer ab. Es gebe da ein Problem, sagt der Anrufer.

Seit einem Jahr hat Deutschland ein eigenes Cyberabwehrzentrum. Es wird geleitet vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI. Als Innenminister Hans-Peter Friedrich das Nationale Cyberabwehrzentrum eröffnete, versprach er sich viel davon: „Die Infrastruktur wird zunehmend von international organisierten Angreifern attackiert“, sagte er. Mit Infrastruktur meinte er Industrieanlagen, die Strom- und Wasserversorgung, den öffentlichen Nahverkehr, und mit Attacken Angriffe aus dem Cyberspace. Was diese anrichten könnten, nannte er „nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe“. Nun sollte Deutschlands Sicherheit auch in Bonn verteidigt werden.

Der junge Mann mit der notdürftig reparierten Brille hat seinen Dienst um acht Uhr 30 angetreten. Seinen Namen möchte er lieber für sich behalten, seine Welt ist eine mit hohen Sicherheitsstufen.

Am Morgen, als er das Pförtnerhäuschen passierte, da ging er auch an jenem sorgsam laminierten Schild vorüber, das das „Mitführen von Informationstechnik“ untersagte. Auf dem Flur überwachten Kameras jeden Schritt. Die Metalltür zum „Lagezentrum“ öffnete sich mit einem Sirren, als er seinen elektronischen Hausausweis vor eine Metallplatte hielt. Seinen Rucksack stopfte er unter den Schreibtisch. Wachdienste sind für jeden Mitarbeiter der Abteilung Operative Netzabwehr Pflicht, eine eher lästige, gibt der junge Mann mit der kaputten Brille zu: „Lieber analysieren wir einzelne Gefahren in die Tiefe“, sagte er. Er hoffte, dass es ein ruhiger Tag werden würde.

Und zunächst war er das auch. Was hier an Daten aufbereitet wird, sammelt ein Netz von Sensoren, das das BSI und die mit ihm verbündeten Institute und Firmen im Cyberspace ausgeworfen haben. Es ist ein maschinelles Immunsystem, das Gefahren aufspürt und von IT-Experten ständig an neue Virentypen angepasst wird.

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