Interview mit Bundespräsident : Wulff: „Es gibt auch Menschenrechte für Bundespräsidenten“

04.01.2012 19:59 Uhrvon
  • Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht. - Foto: dpa
  • Nach bezahlten Urlauben und anderen Skandalen: Christian Wulffs Ex-Frau gerät auch in den Fokus der Ermittlungen. Die Juristin wurde von einer Anwaltskanzlei angestellt - hat aber... - Foto: dapd
  • Anfang März wird das Haus des Ex-Bundespräsidenten in Großburgwedel durchsucht. Sein Computer wird beschlagnahmt. - Foto: dpa

Update Bundespräsident Christian Wulff hat in einem Interview mit ARD und ZDF einen Rücktritt abgelehnt, aber Fehler eingestanden. Union und FDP reagieren erleichtert auf die Erklärung.

Tief ist seine Stimme. Ein wenig mitgenommen hört sie sich an. Und gleich zu Beginn des aufgezeichneten Interviews sagt Christian Wulff: "Der Anruf bei der Bild war ein schwerer Fehler, der mir sehr leid tut." Dafür habe er sich auch bereits entschuldigt. Diese Vorgehensweise sei auch nicht mit seinem Amtsverständnis vereinbar. "Ich muss mein Verhältnis zu den Medien neu ordnen", sagt Wulff weiter. Er müsse anders mit ihnen umgehen, sie als Mittler stärker einbinden und anerkennen. "Sie haben eine wichtige Aufgabe in der Demokratie", sagte Wulff.

Einen Rücktritt lehnt er aber ab. "Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr", sagte Wulff. Er übe sein Amt mit Freude aus und wisse, dass er nichts Unrechtes getan habe. "Die Bürger setzen darauf, dass ich Bundespräsident bleibe."

Wulff deutet an, etwas überfordert gewesen zu sein, als er von den Recherchen über seinen Privatkredit erfahren habe, weil er da gerade im Ausland gewesen sei. In seinem Heimatdorf sei recherchiert worden. "Das hat das ganze Dorf verrückt aufgebracht", sagte Wulff. Wulff betonte, er habe bei dem Anruf bei Diekmann darum gefragt, den Artikel über seine Hausfinanzierung um einen Tag zu verschieben. Er bat darum, sein Vorgehen menschlich zu verstehen, auch vor dem Hintergrund der Belastungen seiner Familie. Er habe da auch eine Schutzfunktion für seine Familie gesehen. "Es gibt auch Menschenrechte selbst für Bundespräsidenten." Wulff betonte, in das Amt reinwachsen zu müssen. "Ich habe mich offenkundig in dem Moment eher als Opfer gesehen."

Wulff verteidigte dagegen seine privaten Urlaube unter anderem in einem Haus von Carsten Maschmeyer, dem Gründer des Finanzdienstleisters AWD. "Wenn man als Ministerpräsident keine Freunde mehr haben darf, wird sich die Republik in eine Richtung verändern, die ich nicht will." Außerdem müsse es auch möglich sein, sich von Freunden Geld zu leihen. "Ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo man sich von Freunden kein Geld leihen kann."

Wulff sagte, dass die Ausübung des Amtes des Bundespräsidenten schwieriger geworden sei. Seine Affäre habe dem Amt "sicher nicht gedient". Aber zuvor habe er das Ansehen des Amtes durch diverse Aktivitäten verbessert. Er selbst bezeichnete seine derzeitige Situation als "Bewährungsprobe". Aber er sei kein Bundespräsident auf Bewährung. Neue Glaubwürdigkeit müsse er nun durch "Lernfortschritte" im Umgang mit den Vorwürfen zeigen. Es gehe nicht um Gesetzverstöße, sondern um Transparenz. Wulff hatte vor einigen Jahren den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau scharf angegriffen. Nun sagt er: "Man wird demütiger und lebensklüger."

Über 400 Fragen habe er zuletzt beantwortet. Davon soll nun auch die Öffentlichkeit erfahren: Wulff hat angekündigt, die Fragen und Antworten am Donnerstag ins Netz stellen zu wollen.

ARD und ZDF senden das am späten Nachmittag aufgezeichnete Interview um 20:15 Uhr auf beiden Kanälen aus. Es dauert etwa 15 Minuten. Kritik wurde an der Informationspolitik Wulffs laut, weil er nur ARD und ZDF zugelassen hatte und sich nicht live in einer richtigen Pressekonferenz den Fragen der Hauptstadtpresse stellt.

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