• Interview mit dem Verteidigungsminister: "Es muss wieder Freude an der Übernahme von Verantwortung geben"

Interview mit dem Verteidigungsminister : "Es muss wieder Freude an der Übernahme von Verantwortung geben"

Verteidigungsminister de Maizière über die Tücken und Chancen der Bundeswehrreform, Mängel des Einsatzes gegen Piraten am Horn von Afrika und Herausforderungen durch den Aufstieg Chinas.

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Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU).
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU).Foto: Mike Wolff

Herr Minister, der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus beschreibt die Stimmung in der Truppe als schlecht und verunsichert. Was haben Sie da falsch gemacht?

Als ich ins Amt kam, habe ich ja selber eine harte Analyse des Zustands der Bundeswehr vorgenommen. Der Wehrbeauftragte hat festgestellt, die Lage sei stabil, die Unsicherheit groß und die Leistungsbereitschaft ebenfalls groß. Diese Einschätzung teile ich.

Und das macht Sie nicht nervös?

Nein. Dass die Verunsicherung im Moment groß ist, ist doch das Verständlichste von der Welt. Wir sind in einem Prozess der Umstrukturierung einer Großinstitution mit über 300 000 Dienstposten. Mehr oder weniger jeder erhält einen neuen Dienstposten, auch wenn sein Standort nicht geschlossen wird. Wir haben für den Prozess bis zu sechs Jahre veranschlagt; das ist schon anspruchsvoll. Aber es dürfen sicher nicht sechs Jahre Unsicherheit bleiben.

Wann also hat ein Soldat Klarheit darüber, wo und wie er arbeiten wird?

Die Personalstruktur wird im Frühjahr ausgeplant sein, die Umzugsplanung wird im späten Frühjahr stehen. Wir liegen da im Zeitplan. Wir wissen trotzdem, dass wir den Soldatinnen und Soldaten und ihren Angehörigen ziemlich viel zumuten. Es kommt dazu, dass mit dieser Neuausrichtung eine Änderung der Mentalitäten verbunden sein soll. Und die dauert mit Sicherheit viele Jahre.

Sie wollen den Soldaten nicht nur einen neuen Dienstsitz verordnen, sondern gleich ein neues Denken?

In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Absicherungsmentalität angestaut. Es gab das geflügelte Wort „Melden macht frei“ – wenn ich ein Problem meinem Vorgesetzten gemeldet habe, geht es mich nichts mehr an. Ich will erreichen, dass es wieder Freude an der Übernahme von Verantwortung gibt. Führen muss belohnt werden. Wir müssen an Vorschriften heran, wir haben zu viele Stäbe, die sich gegenseitig beaufsichtigen. In der Bundeswehr darf nicht Bürokratie herrschen, sondern der Grundsatz der Eigenverantwortung.

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