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Interview mit Peer Steinbrück : „Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage“

06.01.2013 11:29 Uhrvon
Will sich den Mund nicht verbieten lassen: SPD-Kanzlerkandidat Peer SteinbrückBild vergrößern
Will sich den Mund nicht verbieten lassen: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück - Foto: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück über das Einkommen von Politikern, seine Pläne für das Bundestagswahljahr 2013 – und warum er auch in Zukunft kein Blatt vor den Mund nehmen will.

Herr Steinbrück, erklären Sie bitte, was in Ihren Augen ein Tugendwächter ist?

Das ist jemand mit einem sehr rigiden Moralmaßstab, an dem er andere misst, sich selbst aber nicht immer dran hält.

Sie sprechen im Zusammenhang mit Politikergehältern von Tugendwächtern, die eine groteske und für das politische Engagement schädliche Debatte führen. Wo sehen Sie diese Debatte?

Mir geht es darum, dass viele gute Leute, die wir in der Politik gut gebrauchen könnten, unter anderem deswegen nicht kommen, weil sie woanders besser verdienen und sich nicht jeder Debatte um Diätenerhöhungen aussetzen wollen.

Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Nein. Ich werde von den Medien und der Öffentlichkeit ganz neu betrachtet, seit ich Kanzlerkandidat bin. Das ist in Ordnung, aber manche Kritik moniert etwas, was ich so gar nicht gesagt habe.

Sie meinen Ihre Bewertung des Einkommens deutscher Kanzler und Kanzlerinnen?

Ja. Denn ich habe mitnichten gefordert, das Kanzlergehalt zu erhöhen, wie es zu lesen und hören war. Ich habe lediglich in einem Interview, wie zuvor schon viele Male, und andere auch die Meinung vertreten, dass Kanzler im Vergleich zu Führungspersonen in der Wirtschaft eher gering bezahlt sind.

Kanzler verdienen in Deutschland 16 000 Euro im Monat. Ist das wirklich zu wenig, Herr Steinbrück?

Natürlich kann man davon gut leben. Keine Frage und aus der Perspektive einer alleinerziehenden Frau mit 1000 Euro monatlich erst recht. Gerhard Schröder hat recht. Wem die Entlohnung nicht reicht, der sollte sich nicht bewerben. Und das ist auch selbstverständlich Grundlage meiner Kandidatur. Ich habe nur auf vergleichbare Positionen in unserer Gesellschaft und die große Verantwortung hingewiesen. Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat.

Es könnte so verstanden werden, als wollten Sie den Job nur machen, wenn mehr Geld dafür bezahlt wird.

Das ist wirklich Unfug. Dass es jetzt heißt, ich sollte solche Sätze nicht sagen, weil ich Kanzlerkandidat bin, darüber sollten andere nachdenken. Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage. Das ist mein Gegenentwurf zu Politikern, die oft nur so reden, wie es opportun ist.

Herr Steinbrück, die Beliebtheit der Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Sie in diesen Tagen mit einem Frauenbonus begründet. Wie meinen Sie das?

Die Sozialforscher sagen uns, dass Frau Merkel vor allem bei Frauen erkennbar großen Respekt und Ansehen dafür genießt, dass sie sich als Frau in einer noch immer von Männern dominierten politischen Welt durchgesetzt hat.

Ist das eine Frage des Geschlechts oder der Leistung als Politikerin?

In erster Linie ist es eine Leistung, die Frau Merkel erbracht hat. Dass ihr dies als Frau in einer Welt gelungen ist, in der Männer nach wie vor in der Mehrzahl sind, wird vor allem von vielen Frauen besonders anerkannt. Das meine ich damit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ist es für Sie als Mann schwieriger, gegen eine Frau in den Wahlkampf zu ziehen?

Nein. Wobei ich hinzufügen möchte, dass mir ein randalierender Wahlkampf nicht in den Sinn kommt.

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Sie waren zusammen im Afghanistan-Einsatz. Jetzt sitzen sie auf entscheidenden Posten im Ministerium. Sie prägen das Bild, das sich die Ministerin macht. Sie bestimmen Ausrichtung, Struktur und Selbstverständnis der Truppe. Welche Folgen hat das für Deutschlands Sicherheit?
Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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