Iran-Abkommen entzweit Amerikas Juden : Im Konflikt zwischen Obama und Netanjahu

Immer mehr Juden in den USA haben das Gefühl, sich zwischen der Demokratischen Partei und Israel entscheiden zu müssen. Die Auseinandersetzung um das Iran-Abkommen treibt diesen Loyalitätskonflikt nun auf die Spitze.

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Auch solche gibt's: Unterstützer des Atomabkommens mit dem Iran demonstrieren im US-Senat.
Auch solche gibt's: Unterstützer des Atomabkommens mit dem Iran demonstrieren im US-Senat.Foto: AFP

Befürworter des Iran-Abkommens sprechen bereits von einem „epischen Kampf“, dessen Gegner blasen zum Sturm auf den Kongress. Kampagne führt zur Gegen-Kampagne, Millionenbeträge werden in Anzeigen und Mobilisierungs-Initiativen gesteckt.

Der Iran-Deal spaltet Amerikas Juden, titelt die israelische Zeitung „Ha’aretz“. Und in der Tat zeigen viele schroffe Reaktionen, wie tief der Riss ist. Jüdische Befürworter des vor zehn Tagen von den fünf Veto-Mächten des UN-Sicherheitsrates plus Deutschland mit dem Iran geschlossenen Abkommens werden rasch als naiv, anti-israelisch oder selbsthassend bezeichnet. Gegner gelten als bedingungslose und unkritische Netanjahu- Claqueure. Bis Ende August hat der US-Senat Zeit, über das Abkommen abzustimmen. Barack Obama braucht mindestens 34 Ja-Stimmen aus seiner Partei, um die voraussichtliche Ablehnung durch die republikanische Mehrheit durch ein Veto zu blockieren.

Sechs Wochen also, um Stimmung zu machen. Dabei ist die Ausgangslage unübersichtlich. In einer Umfrage aus dem April, wenige Wochen vor dem Abkommen, unterstützten 59 Prozent der amerikanischen Juden – sechs Prozent mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt – ein solches Abkommen. Diese Zahlen reflektierten allerdings nicht die sich verschlechternden Sympathiewerte Obamas innerhalb der amerikanischen Juden von 64 Prozent im Jahr 2013 auf 54 Prozent heute. Dem Präsidenten wird nachgesagt, Israel nicht zu verstehen, keine gefühlsmäßige Bindung zum Land zu haben.

Wesentlich mehr Republikaner als Demokraten bezeichnen sich selbst inzwischen als Israel-Freunde

Auf der anderen Seite haben die Republikaner, allen voran evangelikale Christen aus dem „bible belt“, ihren Pro-Israel- und Pro-Netanjahu-Kurs verschärft. Wesentlich mehr Republikaner als Demokraten bezeichnen sich selbst inzwischen als Israel-Freunde und glauben, dass Gott das Land dem jüdischen Volk gegeben hat. Bislang allerdings hat sich dieser Schwenk nicht auf die Parteipräferenzen der amerikanischen Juden ausgewirkt. Etwa zwei Drittel von ihnen neigen zu den Demokraten, ein Drittel zu den Republikanern.

Doch die traditionell enge Bindung an die Demokraten bröckelt. 2008 gaben 78 Prozent der amerikanischen Juden Barack Obama ihre Stimme, 2012 waren es nur noch 69 Prozent. Weitere Blessuren hinterließ das Zerwürfnis zwischen Netanjahu und Obama. Immer mehr Juden in den USA haben das Gefühl, sich zwischen der Demokratischen Partei und Israel entscheiden zu müssen. Die Auseinandersetzung um das Iran-Abkommen treibt diesen Loyalitätskonflikt nun auf die Spitze. Kein Wunder, dass einige prominente jüdische Demokraten – wie Senator Charles Schumer aus New York – eine Festlegung bislang vermieden haben. Die Spannung steigt.

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