Irans mächtiger Schattenmann : Wie Kommandeur Soleimani in Syrien agiert

Er sieht ein bisschen aus wie George Clooney, gilt aber in diversen Konflikten als "Schwarzer Ritter" und Feldherr: Der iranische Generalleutnant Qassem Soleimani unterstützt die syrischen Regierungstruppen beim Sturm auf Aleppo.

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Qassem Soleimani soll Irans Einfluss und Macht im Ausland mehren.
Qassem Soleimani soll Irans Einfluss und Macht im Ausland mehren.Foto: AFP

Manche nennen ihn den „Schatten“, andere den „Schwarzen Ritter“. Wenn Qassem Soleimani, iranischer Generalleutnant und Kommandant der Auslands-Eliteeinheit der Teheraner Revolutionsgarden, auf den Schlachtfeldern im Irak oder in Syrien auftaucht, steht meistens eine entscheidende Phase im Krieg bevor. Jetzt zeigt sich der Einfluss von Soleimani beim Sturm auf Aleppo. Die Angriffe syrischer Regierungstruppen, die im Ostteil der Stadt die Rebellen zurückdrängten, wurden von Soleimanis Verbündeten angeführt: der libanesischen Hisbollah-Miliz und iranisch unterstützten Schiiten-Kämpfern aus dem Irak.

Mit seinen graumelierten Haaren erinnert Soleimani an den Hollywood-Schauspieler George Clooney, mit seinem Ruf als Feldherr, Strippenzieher und Agent an eine Figur aus einem Spionageroman. Der 59-jährige Offizier erfüllt zentrale Funktionen im Iran, im Irak und in Syrien. Der Generalleutnant ist in seiner Heimat so beliebt, dass ihm politische Ambitionen nachgesagt werden. Sollte Soleimani tatsächlich an eine Kandidatur bei der iranischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr denken, dann lässt er es sich nicht anmerken. Er hat ohnehin genug im Irak und in Syrien zu tun.

Soleiman soll Macht und Einfluss der schiitischen Großmacht Iran mehren

In den diversen Konflikten in der Region ist es Soleimanis Aufgabe als Statthalter Teherans, Macht und Einfluss der schiitischen Großmacht Iran zu mehren und gegen die Interessen der sunnitischen Akteure wie der Türkei und Saudi-Arabien zu verteidigen. So fungiert er offiziell als Berater der schiitischen Regierung im Irak, wo er unter anderem die Streitkräfte und schiitische Milizen für den Kampf gegen den extrem-sunnitischen „Islamischen Staat“ (IS) rüstet. Soleimani führte die Truppen bei Angriffen auf den IS bei Tikrit und wurde in diesem Frühjahr auch bei der Vertreibung des IS aus der irakischem Stadt Falludschah gesichtet. Bei der Vorbereitung der irakischen Regierungsoffensive auf die vom IS gehaltene Großstadt Mossul soll Soleimani ebenfalls dabei gewesen sein.

Den sunnitischen Gegnern des Iran ist der General unheimlich. Die saudische Presse beschimpft ihn als Mörder, Erzterroristen und Kriegsverbrecher. Aber selbst UN-Sanktionen konnten Soleimani bisher wenig anhaben. Im Frühjahr flog er trotz eines Reiseverbots nach Moskau, um über den Konflikt in Syrien und die Lieferung von Luftabwehrsystemen an den Iran zu sprechen.

Im September tauchte der Generalleutnant bei der Inspektion einer irakischen Miliz außerhalb von Aleppo auf. Die Truppe hat rund 1000 Kämpfer entsandt, um auf der Seite von Präsident Baschar al Assad und russischer Kampfjets gegen die Rebellen vorzugehen. Sollte Aleppo fallen, wäre das eine wichtige Wegscheide im Syrienkrieg – und ein weiterer Sieg für den „Schatten“.

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