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IS-Anschlag in Parsons Green : "Der Terror ist schon in den Köpfen"

Nach einer Explosion in einer Londoner U-Bahn rätseln die Behörden über den Tatplan. Der Islamische Staat reklamierte die Attacke für sich.

Anschlag auf U-Bahn in London. Sicherheitskräfte untersuchen den Waggon.
Anschlag auf U-Bahn in London. Sicherheitskräfte untersuchen den Waggon.Foto: dpa

Der mutmaßliche Anschlag in London erscheint mysteriös. Nach der Explosion in einem Zug in der U-Bahn-Station Parsons Green rätseln die Sicherheitsbehörden, was der oder die Täter geplant haben. Britische Medien berichten, der Sprengsatz sei offenbar nicht vollständig explodiert, mindestens 29 Menschen wurden verletzt. Es ist von einem „timer“ die Rede, demnach könnte in dem Eimer, der in dem Waggon stand, ein Zeitzünder gesteckt haben. Es sei allerdings merkwürdig, dass der Plastikeimer nicht zerrissen wurde, sagten deutsche Sicherheitskreise. Vermutlich sei der Sprengsatz dilettantisch gebaut worden, „möglicherweise war er auch noch nicht fertig und sollte nur transportiert werden“. Dennoch zeige sich, wie gefährlich eine solche „USBV“ (das ist der Fachbegriff für „Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“) sein könne – wegen der Panik bei den Passagieren in der U-Bahn.

Genau das könnten sich der oder die Terroristen zunutze gemacht haben, hieß es. Angesichts der Anschläge, die London allein in diesem Jahr getroffen haben, „ist der Terror in den Köpfen drin“, sagte ein Sicherheitsexperte. Es genüge inzwischen ein Knall oder eine Stichflamme, um eine Gruppe Menschen so zu erschrecken, dass sie blind weglaufen und in Kauf nehmen, andere zu verletzen. „Diese Panik, die entsteht, ist für sich schon kritisch“, hieß es.

Am Freitagabend bekannte sich die Terrormiliz IS zu dem Anschlag. Die Explosion sei von einer "Abteilung des Islamischen Staats" verübt worden, hieß es in einer am Freitag vom IS-Propagandasprachrohr Amaq im Internet veröffentlichten Erklärung. Deutsche Sicherheitskreise hatten bereits zuvor auf die Szene der gewaltorientierten Islamisten in Großbritannien verwiesen, die mit ungefähr 20.000 Personen deutlich größer sei als in der Bundesrepublik. Hier spricht der Verfassungsschutz von mehr als 10.000 Salafisten, die zudem nicht komplett dem militanten Milieu zugerechnet werden.

Großbritannien kann nicht alle Extremisten überwachen - es gibt dort zu viele

Die britischen Behörden könnten noch weniger als die deutschen alle gefährlichen Islamisten in den Blick nehmen, hieß es. Bei der Größe der Szene in Großbritannien sei es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Anschlag komme. In diesem Jahr haben islamistische Terroristen in Großbritannien bei mehreren Angriffen vor jenem vom Freitag bereits 34 Menschen getötet.

Die Serie begann am 22. März. Der Terrorist Khalid Masood überfuhr auf der Westminster-Brücke mit einem SUV gezielt Passanten, dadurch starben vier Menschen und ungefähr 40 wurden verletzt. Der Täter krachte dann in die Umzäunung des Westminster-Palasts und erstach einen Polizisten. Beamte schossen auf Masood und trafen ihn tödlich. Der IS bekannte sich zu der Tat.

Am 22. Mai sprengte sich in Manchester am Rande eines Konzerts der Sängerin Ariana Grande der Selbstmordattentäter Salman Abedi in die Luft. 22 Opfer starben, die meisten waren Kinder und Jugendliche. Mehr als 110 Menschen erlitten Verletzungen. Die Terrormiliz IS teilte im Internet mit, ein „Kalifatssoldat“ habe den Anschlag begangen.

Nur zwölf Tage später folgte ein weiterer Angriff in London. Die Islamisten Khuram Shazad Butt, Rachid Redouane und Youssef Zaghba rasten mit einem Lieferwagen auf der London Bridge in Fußgänger. Dann stachen die Terroristen auf dem nahen Borough Market mit langen Messern um sich. Einigen Opfern schnitten die Islamisten die Kehle durch. Acht Passanten wurden getötet, weitere 48 verletzt. Polizisten erschossen die Täter. Am Tag nach der Tat bekannt sich der IS im Internet über die mit ihm verbundene Medienplattform Amaq zu der Attacke.

Am 25. August griff ein „Allahu akbar“ brüllender Islamist mit einem Messer Polizisten vor dem Buckingham Palast an. Der Mann wurde überwältigt.

Der härteste islamistische Anschlag in Großbritannien ereignete sich am 7. Juli 2005 in London – attackiert wurde auch die U-Bahn. Die aus der englischen Stadt Leeds und Umgebung stammenden Terroristen Hasib Hussein, Shehzad Tanweer, Mohammad Sidique Khan und Germain Jamal Lindsay sprengten sich in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus in die Luft. 52 Opfer starben, mehr als 700 wurden verletzt. (mit AFP)

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