Islam und Gewalt : "Was Muslime sagen, wird nicht gehört"

Gewalt und Islam sind ein Thema, sagt die Hamburger Islamwissenschaftlerin Katajan Amirpur. Die muslimischen Verbände aber sind die falsche Adresse dafür.

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Kurden protestieren gegen den Terror des IS - und die türkische Regierung
Kurden protestieren gegen den Terror des IS - und die türkische RegierungFoto: AFP

Die Hamburger Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur hat die Kritik des EKD-Ratsvorsitzenden Schneider an den muslimischen Verbänden zurückgewiesen. Schneider habe zwar mit seinem Verweis auf notwendige Auseinandersetzung mit Gewalt im Islam  „nicht unrecht“, sagte Amirpur dem Tagesspiegel. Die Verbände seien dafür aber nicht die richtigen Adressaten, „denn hier finden sich ja Funktionäre und keine Theologen“. Schneider, der demnächst aus dem Amt ausscheidet, hatte in einem Interview kritisiet, die muslimischen Verbände sagten zum Thema "zu wenig".

"Angebliche Islamexperten schwadronieren im Feuilleton"

Islamische Theologen allerdings setzten sich mit dem Gewaltproblem durchaus auseinander, sagte Amirpur, die an der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg islamische Theologie lehrt: "Ein Beispiel ist der Brief von über 120 Gelehrten an die IS. Die Verfasser legen haarklein dar, warum im Islam verboten ist, was die IS-Mörderbande tut. Sie setzten sich im Detail mit den Versen auseinander, die Gewalt scheinbar legitimieren und argumentieren, diese hätten einen bestimmten historischen Kontext und seien nur auf diesen anwendbar. Sie seien nicht allgemein gültig." Das Problem, so Amirpur, sei „weniger die fehlenden Auseinandersetzung von Muslimen, sondern dass diese Auseinandersetzung hier nicht wahrgenommen wird - und stattdessen mantraartig wiederholt wird, was angebliche Islamexperten im Feuilleton schwadronieren."

 

 

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