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Islamfeindlicher Film : Toter und Verletzte bei Protesten vor US-Botschaft im Jemen

Bei Protesten vor der US-Botschaft im Jemen fielen Schüsse - mindestens zwei Demonstranten starben. Inzwischen gibt es auch im Iran Proteste gegen den islamfeindlichen Film eines Amerikaners. Möglicherweise mischen sich auch Al Qaida-Anhänger unter die Demonstranten.

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Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in vielen Ländern friedlich verlaufen. In Pakistan aber kamen mindestens zwei Menschen bei Ausschreitungen ums Leben.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
21.09.2012 14:25Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in...

Die Angriffe auf diplomatische Einrichtungen der USA in arabischen Staaten weiten sich aus. In Jemens Hauptstadt Sanaa stürmten am Donnerstag mehrere tausend wütende Demonstranten das Gelände der amerikanischen Botschaft, zündeten Autos an und schlugen Scheiben ein, viele riefen "Oh Prophet! Oh Mohammed". Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein, gaben Schüsse ab und konnten die Randalierer nur mit Mühe zurückdrängen. Mindestens zwei Menschen wurden getötet, mehrere verletzt. Die Demonstranten protestierten gegen ein in den USA produziertes Video, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Deutsche Sicherheitskreise sagten dem Tagesspiegel, es sei zu befürchten, dass die Ausschreitungen ähnliche Ausmaße annehmen wie die gewaltsamen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen, die 2005 von der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlicht wurden.
Das Auswärtige Amt richtete am Donnerstag in Kooperation mit dem Bundesinnenministerium einen Krisenstab ein. Er soll sich mit der Sicherheit der deutschen diplomatischen Vertretungen in den gefährdeten Regionen befassen. Außerdem berieten hochrangige Sicherheitsexperten über den Schutz amerikanischer Einrichtungen in Deutschland. Die Mitarbeiter des US-Konsulats in Berlin verließen am Donnerstag das Gebäude, nachdem Kollegen über Atemnot geklagt hatten. Es habe aber keine giftige Substanz gefunden werden können, hieß es in Polizeikreisen.

Video: Wütender Mob stürmt US-Botschaft in Jemen

Seit Dienstag demonstrieren aufgebrachte Muslime gegen den billig gemachten und im Internet verbreiteten Film. In der libyschen Stadt Bengasi attackierten militante Islamisten am Dienstag das US-Konsulat und töteten vier Amerikaner, darunter den Botschafter Chris Stevens. Den Angriff schreiben deutsche Experten einer Gruppe Dschihadisten aus dem Umfeld von Al Qaida zu. Die Attacke habe Symbolcharakter, weil sie am elften Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA stattfand. Angesichts der Schwäche des libyschen Staates nach dem Sturz des Diktators Muammar al Gaddafi sei es Dschihadisten gelungen, in Libyen und vor allem in der Region Bengasi Strukturen aufzubauen, hieß es.
Mit Sorge blicken die Experten auch nach Kairo. Dort dauerten am Donnerstag die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten den dritten Tag an, allerdings mit weniger Teilnehmern. Es gab mehrere Dutzend Verletzte, weil die Sicherheitskräfte die Steine werfenden Jugendlichen von der US-Botschaft Richtung Tahrir-Platz wegdrängten. Bei seinem Besuch in Brüssel versprach der ägyptische Präsident Mohammed Mursi, die ausländischen Botschaften zu schützen. Mursi ist darauf bedacht, dass die Proteste das Verhältnis zu den USA und Europa nicht belasten und die verschiedenen Kreditgesuche Ägyptens nicht gefährden. Er verurteilte den Film zwar ebenfalls scharf, aber ebenso alle „illegalen Aktionen“ der Demonstranten aus vorwiegend salafistischen Kreisen. Die Krawalle verurteilte er jedoch deutlich: Die Tötung Unschuldiger verstoße gegen den Islam, sagte er am Donnerstag im ägyptischen Staatsfernsehen.

Die Proteste gegen die USA gehen weiter:

Die Proteste in der arabischen Welt haben mittlerweile auch auf den Iran übergegriffen. Rund 500 Islamisten protestierten am Donnerstag in Teheran und forderten lautstark den Tod des Filmemachers. Die Demonstranten versammelten sich vor der Schweizer Botschaft, die die Interessen der USA im Iran vertritt. Sie riefen „Tod den USA“ und „Tod für Israel“. Hunderte Wachleute hielten die Iraner davor zurück, die Botschaft zu stürmen. Die USA und der Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Nach dem tödlichen Angriff auf Amerikas Botschafter in Libyen sind auch in den USA unterdessen Spekulationen über eine Verwicklung des Terrornetzwerkes Al-Qaida laut geworden. Es könne sich um einen gezielten Anschlag der Gruppe am 11. September gehandelt haben - dem elften Jahrestag ihrer Terrorangriffe auf die USA, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers, am Mittwoch in einem Fernsehinterview. Der Angriff sei „geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt“ worden, erklärte Rogers. Er sagte, die US-Geheimdienste hätten noch nicht ermittelt, wer hinter der Tat stecke, aber „unsere Liste wird kürzer“. Sicher habe es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte dagegen, es sei noch zu früh für ein klares Urteil. Ein hoher Mitarbeiter des Pentagons wollte nicht bestätigen, dass es sich um einen Al-Qaida-Angriff gehandelt haben könnte. Er meinte aber, dass es eine „komplexe Attacke“ gewesen sei.

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