"Islamischer Staat" und Italien : Nah dran am Terror

Nach mehreren Drohungen fürchtet Italien, das nächste Angriffsziel des "Islamischen Staat" zu werden. Die Politik fordert mehr Unterstützung von den Vereinten Nationen und dem Sicherheitsrat.

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Italiens Premier Matteo Renzi.
Italiens Premier Matteo Renzi.Foto: dpa

Ein Propagandavideo, das der „Islamische Staat“ am Wochenende verbreitet hat, macht den Italienern Angst. „Dies ist eine Botschaft an die Nation des Kreuzes“, ruft ein Henker mit blutigem Messer in der Hand in dem Video. „Früher habt ihr uns auf einem syrischen Hügel gesehen, jetzt stehen wir südlich von Rom. Und das werden wir nach Gottes Willen erobern.“ Dann hält die Kamera auf das Blut der 21 soeben enthaupteten koptischen Christen, das an einem libyschen Strand langsam ins Mittelmeer fließt.

Mit dem überraschend schnellen Vormarsch der IS-Truppen in Libyen befürchtet Italien, unmittelbarer Frontstaat in einem Krieg mit den Islamisten zu werden. Am Wochenende hat Italien seine Botschaft in Tripolis geschlossen – alle anderen westlichen Staaten hatten infolge der Kämpfe verschiedenen Milizen um die Hauptstadt schon zuvor ihre diplomatischen Vertreter abgezogen. In Rom haben sich inzwischen alle Parteien – mit Ausnahme der „Grillini“ – hinter Außenminister Paolo Gentiloni gestellt. Dieser hatte nach dem Eindringen des IS in die ostlibysche Stadt Sirte vergangene Woche gesagt, Italien sei „im Rahmen der internationalen Ordnung zum Kämpfen in Libyen bereit“.

Italien, so der von einem IS-Sender sofort als „Kreuzzügler“ abgestempelte Minister, könne es „nicht akzeptieren, dass wenige Seemeilen vom eigenen Land entfernt eine terroristische Bedrohung existiert“. Verteidigungsministerin Roberta Pinotti sprach unverzüglich von „fünftausend Mann“, mit denen Italien eine „Koalition aus europäischen und nordafrikanischen Staaten anführen“ könnte. Premierminister Matteo Renzi verlangt von den Vereinten Nationen und dem Weltsicherheitsrat, sie müssten in Libyen ihre „diplomatischen und politischen Anstrengungen“ verdoppeln. Es sei derzeit „nicht der Moment für eine Militärintervention, aber es ist auch nicht gerecht, die ganzen Probleme uns zu überlassen, nur weil wir geographisch die Nächsten sind.“

Immer mehr Flüchtlinge

Zwischen Italien und Libyen liegen 500 Kilometer. „Mit Scud-Raketen kommen wir bis auf italienisches Festland“, hat ein dschihadistischer Twitterer bereits verkündet. Auf der vorgeschobenen Insel Lampedusa, die nur 300 Kilometer von Tripolis entfernt liegt, erinnert man sich noch mit Schrecken an die beiden Scud-Raketen des libyschen Machthabers Muammar al Ghaddafi, die im April 1986 knapp zwei Kilometer von der Insel entfernt im Meer eingeschlagen waren. Ghaddafi wollte in seiner Auseinandersetzung mit den USA damals zeigen, wie schlagkräftig er ist.

Gleichzeitig fürchten sie in Lampedusa und ganz Italien ein weiteres, unkontrollierbares Anschwellen der Flüchtlingsströme. Schon am Wochenende rettete die Küstenwache wieder mehr als 2000 Afrikaner, die von ihren libyschen Schleusern teils mit Waffengewalt in Barken und Schlauchboote gezwungen worden waren. Die Italiener gerieten dabei selber in Gefahr: Bewaffnet mit Maschinenpistolen zwangen die Schleuser sie fünfzig Meilen vor der libyschen Küste, ihnen ein bereits beschlagnahmtes Boot zurückzugeben – zur weiteren Verwendung in den kommenden Tagen.

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