• Islamistische Terrorpläne vereitelt: Sind Sprengstoff-Anschläge mit Modellflugzeugen realistisch?
Update

Islamistische Terrorpläne vereitelt : Sind Sprengstoff-Anschläge mit Modellflugzeugen realistisch?

Sprengstoff-Anschläge mit Modellflugzeugen galten in Sicherheitskreisen schon lange als wahrscheinlich. Technisch können auch Laien die Flieger bedienen. Doch wie realistisch ist die Bedrohung?

von , und Ursula Knapp
Die Polizei vermutet, dass Extremisten mit Modellflugzeugen Terroranschläge planten.
Die Polizei vermutet, dass Extremisten mit Modellflugzeugen Terroranschläge planten.Foto: dpa

Das Szenario hört sich gruselig an: Ein Spielzeug wird zur gefährlichen Waffe in der Hand von Terroristen. Diesen Verdacht hatten Ermittler und haben deshalb am Dienstag zugeschlagen und mit ihrer Aktion möglicherweise einen Anschlag verhindert.

Was haben die Ermittler unternommen und welche Vorwürfe gibt es?

Offiziell lautet der Vorwurf: Verdacht auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Geldwäsche. Im Blickpunkt der Ermittler stehen laut Bundesanwaltschaft zwei Männer tunesischer Herkunft. Sie werden verdächtigt, einen radikal-islamistischen Sprengstoffanschlag mit ferngesteuerten Modellflugzeugen begehen zu wollen. Dafür, so der Verdacht, hätten sie sich Materialien besorgt. Am Dienstagmorgen um 4 Uhr begann die Durchsuchungsaktion. 90 Polizisten, darunter Spezialeinheiten, durchsuchten insgesamt neun Objekte im Großraum Stuttgart und München, in Sachsen sowie in Belgien. Schwerpunkt der Aktion war laut Landeskriminalamt (LKA) aber Stuttgart. Durchsucht wurden die Wohnungen der beiden Verdächtigen sowie von vier Kontaktpersonen. „Der Einsatz verlief reibungslos“, sagte ein LKA-Sprecher.

Ziel der Durchsuchung sei es gewesen, Beweise für Anschlagspläne oder -vorbereitungen zu bekommen sowie Erkenntnisse über die Finanzierungswege des Terrorismus. Die Bundesanwaltschaft machte allerdings keine Angaben dazu, ob und was in den durchsuchten Objekten sichergestellt wurde.

Gab es Festnahmen?

Die Bundesanwaltschaft betonte am Dienstag mehrfach, dass es keine Festnahmen wegen bevorstehender islamistischer Anschläge mit Modellflugzeugen gebe. Folglich gibt es bisher auch keinen dringenden Tatverdacht gegen die beiden Männer. Denn nur bei dringendem Tatverdacht können Verdächtige festgenommen und Haftbefehle gegen sie beantragt werden. Das unterblieb jedoch. Die Durchsuchungsaktion in München und Stuttgart habe vielmehr der Beweissicherung gedient, wie die Bundesanwaltschaft erklärte. Der Einsatz erfolgte also weit im Vorfeld konkret geplanter Attentate.

Als dann aber im Zusammenhang mit der Aktion schon am Morgen Fotos von einem abgeführten Mann in Handschellen auftauchten, die einen ganz anderen Eindruck vermittelten, liefen die Telefone bei der Ermittlungsbehörde in Karlsruhe heiß. In Justizkreisen hieß es, die vorübergehende Festnahme sei zur Durchführung der erkennungsdienstlichen Behandlung erfolgt. Mutmaßlich wurden von den Verdächtigen Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen. Offenbar wurden sie hierzu vorübergehend in ein Polizeipräsidium gebracht.

Da bei der Durchsuchungsaktion bereits Fotografen vor Ort waren, vermutet man in Justizkreisen, dass aus den Reihen der Polizei vorab Informationen über die geplante Durchsuchungsaktion weitergegeben worden waren.

Wie konkret ist die Terrorgefahr?

Die Gefahr islamistischer Anschläge wird von den Sicherheitsbehörden in Deutschland nach wie vor als hoch eingeschätzt. Allerdings, so sagte es auch der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz vor wenigen Tagen, sind es weniger die großen Organisationen, von denen die Gefahr ausgehe, sondern vielmehr radikalisierte Einzeltäter oder Kleinstgruppen. In dieses Bild würden die Verdächtigen passen. Deren Pläne schienen jedoch noch in einem sehr frühen Stadium gewesen zu sein. Sie seien durch ihr gesteigertes Interesse an Sprengstoff und Modellflugzeugen aufgefallen und mehr als ein Jahr lang beobachtet worden, hieß es in Sicherheitskreisen.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

51 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben