Italien : Rote Brigaden planten Anschlag auf Silvio Berlusconi

In Italien sind 15 mutmaßlichen Mitglieder einer neuen Generation der Roten Brigaden festgenommen worden, die eine neue Terrorwelle geplant haben sollen. Die Polizei hob ein Waffenlager mit Kalaschnikows aus.

Rom - Die Gruppe habe einen "langfristigen revolutionären Krieg" geplant. Es habe konkrete Vorhaben für Anschläge auf zwei Industriemanager, einen ehemaligen Gewerkschafter sowie auf eine konservative Zeitung gegeben, sagte Amato vor dem Parlament in Rom.

Italienische Medien berichteten von umfangreichen Waffenfunden: In Turin sei ein ganzes Arsenal mit Kalaschnikows entdeckt worden, vermutlich seien es bis zu 100 Maschinenpistolen gewesen. Auch ein Anschlag auf das Mailänder Haus von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi sei geplant gewesen.

Banküberfälle zur Finanzierung

Italien reagierte schockiert auf die Enttarnung der Gruppe: "Die Roten Brigaden sind zurückgekehrt und bereit zu schießen wie bereits in den 70er Jahren", meinte die römische Zeitung "La Repubblica". Das Auftauchen einer "zweiten Generation" der Linksterroristen sei einmalig in Europa. Zur Finanzierung ihres Kampfes hätten die Brigadisten auch Banküberfälle ins Auge gefasst. Die Gruppe habe auch erste Kontakte zu Gesinnungsgenossen in der Schweiz, in Frankreich und in Belgien geknüpft.

Die 15 mutmaßlichen Mitglieder der "Kommunistischen Partei - Politisch-militärischer Arm" waren bereits am Montag in Mailand, Turin, Padua und Triest festgenommen worden. Sie bezeichneten sich in ersten Verhören als "politische Gefangene" und verweigerten jede Aussage. Amato sagte, ihr Anführer sei der seit langem gesuchte Linksextremist Alfredo Davanzo, der 1998 in Frankreich festgenommen, doch kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt worden war.

Rote Brigaden wollten Gewerkschaft unterwandern

Experten meinten, es gebe deutliche ideologische Parallelen der Gruppe zu den kommunistischen Roten Brigaden, die in den 70er Jahren zahlreiche Morde verübt hatten. Die spektakulärste Aktion war 1978 die Entführung und Ermordung des christdemokratischen Spitzenpolitikers Aldo Moro gewesen. Allerdings gab es auch 1999 und 2002 politische Morde in Rom und Bologna.

Als neue Strategie hätten die neuen Roten Brigaden die Unterwanderung der Gewerkschaft CGIL begonnen, sagte Amato. Mehrere Inhaftierte seien CGIL-Aktivisten gewesen. "Wir müssen unsere Wachsamkeit erhöhen", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Als eines der konkreten Vorhaben der Rotbrigadisten nannte Amato ein Attentat auf zwei Manager des Mailänder Industrieunternehmen Breda, dem sie Asbestverseuchung vorwerfen. Auch für einen Anschlag auf den ehemaligen CGIL-Gewerkschafter und Arbeitsrechtler Pietro Ichino habe es konkrete Pläne gegeben. Zugleich wurden am Mittwoch vier Verdächtige in Mailand festgenommen, die Plakate zur Unterstützung der Roten Brigaden geklebt hätten. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar