Jan Hecker : Flüchtlingsexperte berät jetzt Angela Merkel

Der neue außenpolitische Berater von Angela Merkel steht auch für einen inhaltlichen Schwerpunkt: Jan Hecker leitete zuletzt den Flüchtlingsstab im Kanzleramt.

Til Knipper
Passt zu Merkels Team. Jan Hecker steht nicht im Verdacht, in die erste Reihe zu drängen.
Passt zu Merkels Team. Jan Hecker steht nicht im Verdacht, in die erste Reihe zu drängen.Foto: Getty Images

Immerhin, das Kanzleramt bleibt funktionsfähig. Die Koalitionsverhandlungen haben zwar noch nicht begonnen, aber Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon mal eine der wichtigsten Personalentscheidungen in ihrem engeren Umfeld getroffen: Jan Hecker wird neuer außen- und sicherheitspolitischer Berater als Nachfolger von Christoph Heusgen, der nach zwölf Jahren im Kanzleramt als deutscher Botschafter bei den Vereinten Nationen nach New York gewechselt ist.

Hecker bringt alle Eigenschaften mit, die ein Merkel-Berater braucht. Dazu gehört, dass man im Hintergrund bleibt, keinen Drang zur Selbstdarstellung hat und nicht groß öffentlich auftreten will. Man wirkt still in der zweiten Reihe, um vieles in der ersten Reihe möglich zu machen. So war es bei Heusgen, so ist es beim wirtschaftspolitischen Berater Lars-Hendrik Röller und so wird es auch bei Hecker sein.

Erstmals wieder kein Diplomat

Etwas überraschend kommt seine Ernennung trotzdem. Denn Hecker ist der erste außenpolitische Berater seit Horst Teltschik, der unter Helmut Kohl diente, der nicht die Diplomatenlaufbahn des Auswärtigen Amtes durchlaufen hat. Merkel hat Hecker aber aus nächster Nähe zu schätzen gelernt. Der 50 Jahre alte Jurist, seit zwei Jahren als Leiter des Flüchtlingsstabes im Kanzleramt tätig, hat sie maßgeblich bei den Verhandlungen verschiedener Flüchtlingsabkommen unterstützt und die Kanzlerin bereits auf Reisen nach Mali, Niger und Äthiopien begleitet.

Seinen bisherigen Bereich Flucht, Migration und Fluchtursachenbekämpfung nimmt Hecker komplett mit in die Abteilung 2, deren Leitung er offiziell am Donnerstag übernimmt. Ein Indiz, wie wichtig das Thema für Merkel auch in den kommenden vier Jahren sein wird.

Anwalt, Richter, Ministerialbeamter

Der gebürtige Kieler, verheiratet und Vater von drei Kindern, hat Jura und Politikwissenschaft in Göttingen, Grenoble und Cambridge studiert. Nach seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt kam er 1999 ins Bundesinnenministerium als Referent in der Polizeiabteilung. In den folgenden Jahren brachte er es bis zum Leiter des Referats Ausländerrecht. Von 2011 bis 2015 arbeitete er als Richter am Bundesverwaltungsgericht, bevor ihn Peter Altmaier, der ihn schon aus seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesinnenministerium kannte, ins Kanzleramt lotste. Ob Heckers neuer Job auch ein Indiz dafür ist, dass Altmaier in der neuen Regierung weiterhin das Kanzleramt leitet, dazu will derzeit aber niemand Stellung nehmen.

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