Politik : Japan für mehr alternative Energien Premier Kan spricht von 20 Prozent bis 2020

Berlin - Der japanische Premierminister Naoto Kan wird sich kritische Fragen seiner Amtskollegen gefallen lassen müssen. Beim G-8-Treffen sind die Konsequenzen aus der Atomkatastrophe in Fukushima eines der großen Themen. Kan versuchte schon im Vorfeld auf die Bedenken einzugehen und kündigte beim Festakt für die Industriestaatenorganisation OECD in Paris eine Neuausrichtung der japanischen Energiepolitik an. Schon seit Wochen wirbt Kan dafür, die künftige Energieversorgung Japans nicht mehr nur mit Atomkraft und fossilen Brennstoffen wie Gas oder Kohle zu garantieren. Weitere Säulen eines neuen Energiekonzepts sollten die Energieeffizienz, also die Senkung des Bedarfs, und der Ausbau erneuerbarer Energien sein. In Paris nannte er erstmals ein Ziel dafür: Bis 2020 sollen die erneuerbaren Energien auch in Japan einen Anteil von 20 Prozent haben. Die Europäische Union hat sich dieses Ziel bereits 2007 gesetzt.

Pünktlich zum G-8-Gipfel hat die Umweltorganisation Greenpeace einen Bericht über den vermutlichen Ablauf der Atomkatastrophe in Fukushima veröffentlicht. Der britische Nuklearingenieur John Large habe bereits in den Tagen nach Beginn der Krise trotz der von der japanischen Regierung und der Betreiberfirma Tepco verheimlichten Daten nachweisen können, dass in drei der Reaktoren eine Kernschmelze im Gang sei. Das hat die japanische Regierung in der vergangenen Woche auch zugegeben. Die Entscheidung, die havarierten Reaktoren mit Meerwasser zu kühlen, sei „im vollen Bewusstsein“ geschehen, dass im Reaktor 1 der Druckbehälter nicht mehr dicht gewesen sei, kritisiert der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. „Man nahm in Kauf, dass mehrere zehntausend Tonnen hoch radioaktives Wasser auslaufen und in die Umwelt gelangen konnten“, sagte Smital. Greenpeace hat den Bericht auch der Ethikkommission zugeleitet, die am Samstag ihren Abschlussbericht berät. deh

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