John Boehner attackiert Ted Cruz : Der leibhaftige Teufel

Alle haben plötzlich einen „inneren Trump“: Der bittere Streit der Republikaner spielt den Demokraten in die Hände.

Moritz Schuller
Ted Cruz am 28. April 2016 in South Bend, Indiana.
Ted Cruz am 28. April 2016 in South Bend, Indiana.Foto: AFP

In den USA ist eben doch alles eine Nummer größer, auch der Hass unter Parteifreunden. Da können sich Merkel und Seehofer garstige Briefe schreiben, so lange sie wollen, hinter der Leidenschaft, mit der sich die Republikaner gerade gegenseitig die Fresse polieren, bleiben die beiden in rührender Weise zurück. Ein innerparteilicher Rüffel in XXL geht vielmehr so: „Ich habe demokratische Freunde und republikanische Freunde. Ich komme mit fast jedem aus, aber ich habe niemals mit einem schlimmeren Hurensohn zusammengearbeitet.“

Er hat „seinen inneren Trump herausgelassen“

So redet der Republikaner und ehemalige Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses, John Boehner, über den Republikaner und Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz. Cruz sei „der leibhaftige Teufel“ („Lucifer in the flesh“), und für alle, die es bis dahin nicht verstanden hatten, fügte der 66-Jährige am Mittwoch in Kalifornien hinzu: „Nur über meine Leiche wird er Präsident werden.“
Diese Drohung wird Cruz nicht den Nachtschlaf rauben: Boehner ist politisch abgehalftert, gescheitert bei dem Versuch, in seiner Partei einen Ausgleich zwischen den Radikalen der Tea Party-Bewegung, zu denen Cruz gehört, und den Moderaten herzustellen. 2015 trat er als „Speaker“ des Repräsentantenhauses zurück. Aufgefallen war er bis dahin auch dadurch, dass er öffentlich immer wieder aus Rührung in Tränen ausbrach.
In diesen Kontext ihrer langjährigen Feindschaft stellte Cruz auch seine Replik: Boehner nehme es ihm übel, dass er „an der Seite des amerikanischen Volkes“ stehe und die Konservativen im Repräsentantenhaus anfeuere. Boehner habe „seinen inneren Trump herausgelassen“, sagte Cruz und stellte stattdessen Carly Fiorina als seine mögliche Vizepräsidentin vor.

„Lügen-Ted“

Dass sich im Endstadium der Vorwahlen der Ton verschärft, ist nicht überraschend. Doch die Härte, mit der sich bei den Republikanern die Lager bekämpfen, deutet daraufhin, dass die Partei auch unversöhnt in die Wahl gehen wird. Davon profitieren Hillary Clinton und die Demokraten. Selbst diejenigen in der Partei, die den bei den Vorwahlen vorne liegenden Donald Trump (der von Cruz nur als „Lügen-Ted“ spricht) nicht mögen, sind nicht bereit, sich hinter seinem Gegner zu versammeln. „Ted Cruz ist offen gesagt keine akzeptable Alternative“, sagt der New Yorker Kongressabgeordnete Peter King und ergänzt Boehners Attacke: „Und vielleicht macht er den Teufel schlecht, wenn er ihn mit Ted Cruz vergleicht.“

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