Politik : Joschka Fischer: Der Außenminister bekennt: Wir haben Steine geworfen

Holger Stark

Außenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Grüne) hat sich öffentlich dazu bekannt, in der Vergangenheit Gewalt angewendet zu haben. "Ja, ich war militant", sagte Fischer in einem Interview mit der Hamburger Illustrierten "Stern". "Wir haben Steine geworfen. Wir wurden verdroschen, aber wir haben auch kräftig hingelangt." Fischer war in den siebziger Jahren in Frankfurt (Main) in der Hausbesetzer-Bewegung aktiv. Er soll Mitte Januar im Prozess um den Opec-Anschlag gegen das frühere Mitglied der "Revolutionären Zellen" Hans-Joachim Klein als Zeuge aussagen.

In seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht der "Stern" Fotos von 1973, die zeigen, wie eine Gruppe von Demonstranten auf einen Polizisten losgehen. Mehrere Demonstranten reißen den Beamten zu Boden und treten auf ihn ein. Der "Stern" identifiziert den heutigen Außenminister als einen der mit Helmen ausgerüsteten Gewalttäter, der mit der Faust auf den Polizisten einschlage. Auf die Bilder angesprochen antwortete Fischer, es habe sich nach seiner Erinnerung um eine Demonstration in Bornheim gehandelt. "Die Polizei war dabei, Demonstranten zu verfolgen unter Einsatz des Schlagstocks", so Fischer. "Damals lief ich allein und mit nichts als meinen Händen zum ersten Mal nicht mehr weg, sondern der Polizei entgegen." Ein ähnliches Foto hatte der Tagesspiegel im November veröffentlicht. Damals hatte sich Fischer nicht dazu äußern wollen.

Fischer war in Frankfurt Mitglied der so genannte "Putzgruppe", eines militanten Zirkels der Sponti-Szene, der auch bei Demonstrationen auftrat. "Es war eine Zeit, in der auf Rudi Dutschke geschossen wurde, eine Zeit der härtesten Konfrontation, des öffentlich gepredigten Hasses gegen die Studenten", sagte Fischer dem "Stern".

Fischer weist allerdings Gerüchte zurück, er habe auch mit Molotow-Cocktails auf Polizisten geworfen. "Das ist eine Behauptung, die immer wieder aufgestellt wurde. Sie ist falsch." Bereits 1998 waren in einem Buch über Fischer zwei Situationen beschrieben worden, in denen Demonstranten Polizisten mit Molotow-Cocktails angegriffen hatten. Unter den Protestierenden befanden sich auch Mitglieder der "Putzgruppe". Ein Polizist wäre dabei fast verbrannt. "Mir wurde vorgeworfen, ich sei dabei gewesen", sagte Fischer jetzt, "aber ich bin damals nicht mal dem Haftrichter vorgeführt worden, sondern wurde wieder auf freien Fuß gesetzt." Er habe allerdings trotz der "Faszination revolutionärer Gewalt" nie Sympathien für den bewaffneten Kampf gehabt: "RAF und Revolutionäre Zellen waren nie mein Fall."

Der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Bosbach, sagte dem Tagesspiegel, er sei "sprachlos, dass sich die Bundesrepublik einen solchen Repräsentanten leistet". Fischer sei "geradezu stolz" auf seine Mitgliedschaft in der "Putzgruppe" gewesen. "Wer sich so verhalten hat, ist kein glaubwürdiger Repräsentant einer gewaltfreien Zivilgesellschaft."

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