Politik : Juden wollen Zertifikat für Beschneider

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Berlin - Jüdische Geistliche, die bei Neugeborenen die rituelle Vorhautbeschneidung durchführen, sollen künftig zertifiziert werden. Die sogenannten Mohalim würden dabei auch medizinisch und juristisch unterwiesen, kündigte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, bei einer Expertenanhörung im Bundestag am Montag an. Man strebe „hohe Standards“ an, wie es sie zum Beispiel in Israel gebe. Derzeit sei das Projekt in der Endabstimmung.

Der Bundestag befasst sich mit zwei Gesetzentwürfen, die nach dem umstrittenen Urteil des Landgerichts Köln Rechtssicherheit bei der Beschneidung gewährleisten sollen. Die Experten sprachen sich überwiegend für den Vorschlag der Bundesregierung aus, der den Eingriff auch ohne religiöse Motive erlaubt, sofern er medizinisch fachgerecht durchgeführt wird. Ein zweiter Entwurf von Abgeordneten von SPD, Grünen und der Linkspartei, bei dem die Kinder im Alter von 14 Jahren über die Beschneidung selbst entscheiden sollen, wurde als Eingriff in das Elternrecht kritisch beurteilt.

Der ärztliche Direktor des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, Hans Kristof Graf , berichtete von rund 1500 in den vergangenen zehn Jahren in der Klinik durchgeführten Zirkumzisionen, davon seien etwa die Hälfte „Wunschbeschneidungen“ gewesen. Es habe nur eine schwere Komplikation gegeben. Aus ärztlicher Sicht reichten bei Säuglingen lokale Betäubungen mit Salben aus, hieß es. Bei älteren Kindern sei jedoch eine Vollnarkose zu empfehlen. Jost Müller-Neuhof

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