Kampf gegen Assad : Türkei liefert angeblich Waffen an syrische Regimegegner

Die Türkei hat sich endgültig von ihrem früheren Verbündeten, dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad abgewandt. Es häufen sich Gerüchte, dass Ankara den Regimegegnern mehr Unterstützung zukommen lässt, als bisher bekannt.

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18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
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18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Noch vor einem Jahr waren der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und der syrische Staatschef Bashar al Assad ein Herz und eine Seele. Heute sind die Freunde von einst erbitterte Gegner. Erdogan hat sich von Assad abgewandt, weil der syrische Präsident seit Monaten auf das eigene Volk schießen lässt. Die Türkei gewährt syrischen Flüchtlingen Unterschlupf und unterstützt die Exil-Opposition gegen Assad. Nun will ein türkischer Oppositionspolitiker sogar Hinweise darauf haben, dass die Regimegegner im Nachbarland von der Türkei aus mit Waffen versorgt werden.

Nutznießer seien die islamischen Muslimbrüder, sagt Mehmet Ali Ediboglu, ein Oppositionspolitiker aus der türkischen Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien. Ankara dementiert dies, doch es ist unklar, wie weit die türkische Regierung in ihrer Unterstützung für Assad-Gegner gehen will.

Ediboglu hatte kürzlich zusammen mit Parteifreunden das Nachbarland besucht. Dort habe er Hinweise darauf erhalten, dass ganze Lastwagenladungen voller Waffen an der türkischen Grenze zu Syrien umgeladen wurden. Schauplatz sei das Niemandsland zwischen dem türkischen und dem syrischen Zoll-Posten an einem Grenzübergang gewesen. Inzwischen habe die türkische Regierung den Schmuggel unterbunden, sagte Ediboglu am Donnerstag dem Tagesspiegel. Dennoch sei unübersehbar, dass es in Syrien viele Waffen türkischer Herkunft gebe. "Wie die ins Land kommen, weiß ich nicht", sagte er.

Auch ohne Waffenschmuggel steht fest, dass die Türkei syrische Regimegegner nach Kräften unterstützt. Seit einigen Wochen erklärt ein desertierter syrischer Offizier in Medieninterviews immer wieder ganz offen, er lenke seit seiner Flucht in die Türkei vom Flüchtlingslager aus zusammen mit Gesinnungsgenossen die Aktionen von Oppositionellen in Syrien.

In seinem jüngsten Pressegespräch sagte Exil-Oberst Riad al-Asaad der Zeitung "Milliyet", die von ihm angeführte "Freie Syrische Armee" verfüge über 15.000 Mann. Ob Asaad die Wahrheit sagt, weiß niemand, doch Zweifel sind angebracht. Es sei nur schwer nachzuvollziehen, wie der Oberst mit seinem Handy eine Streitmacht von angeblich 15.000 Soldaten in 22 unterschiedlichen Einheiten befehligen könne, merkte "Milliyet" an.

Nach eigenen Worten weiß Oberst Asaad nichts von Waffenlieferungen aus der Türkei an Syrien. "Ich wünschte, es gäbe sie", sagte er. Das Ausland solle zumindest eine Flugverbotszone über dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei einrichten, damit die Regimegegner diese Region als Rückzugsgebiet nutzen könnten.

Die türkische Regierung in Ankara betont, Deserteure wie Asaad würden nur aus rein humanitären Gründen aufgenommen. Die Türkei dulde keine Waffen in den Aufnahmelagern und unterstütze auch niemanden, der mit militärischen Mitteln gegen das Regime in Damaskus vorgehen wolle. Allerdings lässt Ankara den syrischen Oberst Asaad bei seinen Interviews gewähren und unterstützt auch die zivile syrische Exilopposition, deren Vertreter sich sogar offiziell mit Außenminister Ahmet Davutoglu treffen durften.

Die Türkei will durch diese Schritte den Druck auf Assads Regime in Syrien erhöhen; Erdogans Regierung musste inzwischen sogar schon Medienberichte dementieren, wonach Ankara auch ein militärisches Eingreifen im Nachbarland erwägt.

Den syrischen Präsidenten lässt all das bisher offenbar kalt. Wie andere Beobachter befürchtet der Oppositionspolitiker Ediboglu, dass Assad angesichts der angeblichen oder tatsächlichen Waffenlieferungen aus der Türkei nun seinerseits die syrische Hilfe für die türkisch-kurdischen Rebellengruppe PKK verstärken könne. Ediboglu betonte, angesichts der jüngst wieder verstärkten Angriffe der PKK sei es nicht sehr weise von der Türkei, Leuten wie dem syrischen Exil-Offizier Asaad Gastfreundschaft zu gewähren. Insbesondere in den 1990er Jahren hatte Syrien die PKK stark unterstützt. Das Verhältnis zwischen den ehemaligen Freunden Erdogan und Assad könnte schon bald noch viel feindseliger werden.

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