Kampf gegen IS : Türkei startet Aufbau einer "Schutzzone" in Nord-Syrien

Die Türkei beginnt mit dem Aufbau einer Schutzzone in Syrien - aber die Terrormiliz IS rückt genau in diese Region vor.

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In vielen Städten Syriens wird weiter heftig gekämpft.
In vielen Städten Syriens wird weiter heftig gekämpft.Foto: dpa

Die Türkei treibt den Aufbau einer "Schutzzone" in Nord-Syrien voran. Dabei setzt Ankara vor allem auf die Hilfe der Turkmenen in Syrien, ein mit den Türken verwandtes Volk, deren Repräsentanten der Türkei mehrere tausend Kämpfer für die Sicherung der Zone angeboten haben. Presseberichten zufolge begleitete eine türkische Armee-Eskorte kürzlich einen Verband syrischer Turkmenen von der Türkei aus in die syrische Stadt Azaz, die unmittelbar hinter der Grenze gegenüber dem türkischen Kilis liegt.

Eine turkmenische Polizeitruppe soll die Schutzzone sichern

Außerdem soll die Türkei mit der Ausbildung einer turkmenischen Polizeitruppe begonnen haben, die nach der Schaffung der "Schutzzone" das Gebiet sichern soll. Die Turkmenen kämpfen in Syrien gegen die Regierung von Präsident Baschar al Assad, aber auch gegen den Islamischen Staat (IS) und gegen die syrischen Kurden. Semir Hafiz, ein turkmenischer Verbandsvorsitzender in Syrien, sagte kürzlich, Ankara könne auf 5000 Kämpfer zählen.

Das macht die Turkmenen zu idealen Bündnispartnern der Türkei. Die "Schutzzone" soll zwar offiziell der Rückkehr von Flüchtlingen dienen, richtet sich aus türkischer Sicht aber vor allem gegen die Kurden, die in Ankara im Verdacht stehen, in Nord-Syrien einen eigenen Staat gründen zu wollen. Die Zone soll von Azaz im Westen bis nach Jarablus im Osten reichen, etwa 80 Kilometer lang sein und von der Grenze aus rund 30 Kilometer tief nach Syrien hineinragen.

Ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet im Norden Syriens würde unmöglich

Damit würde ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet im Norden Syriens unmöglich.

Die Türkei und die USA haben sich darauf geeinigt, den IS mit Luftangriffen aus der Zone zu vertreiben. Anschließend sollen "gemäßigte Rebellen" dort die Kontrolle übernehmen, sagt Ankara – obwohl sich Washington von diesem Teil des Plans distanziert.

Während die beiden Verbündeten streiten, hat der IS in Nord-Syrien eine neue Offensive gestartet. Dabei rücken die Dschihadisten in einem Gebiet vor, das in der vorgesehenen "Schutzzone" und nur 20 Kilometer südlich der türkischen Grenze liegt. Aktivisten zufolge eroberte der IS über Nacht fünf Dörfer und die Vororte einer Oppositionshochburg. Drei der Dörfer lägen vor der Stadt Marea, auch in die südlichen Viertel der Stadt seien die Extremisten vorgedrungen, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag.

Dutzende Rebellen sollen getötet worden sein

Marea ist eine der wichtigsten Städte unter Kontrolle der Aufständischen in der nördlichen Provinz Aleppo und liegt an einer Nachschublinie zur türkischen Grenze. Der IS versuche seit Monaten, die Stadt einzunehmen, berichtete die Beobachtungsstelle. Die Miliz wolle dadurch das Gebiet in Aleppo, das sie schon beherrscht, Richtung Westen ausdehnen. Bei den jüngsten Gefechten seien dutzende Rebellen getötet worden. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen, sie bezieht ihre Informationen von einem dichten Netz aus Aktivisten und Ärzten in Syrien.

Deutscher soll an Selbstmordattentat im Irak beteiligt gewesen sein

Bei Angriffen des IS im Irak sind zwei hochrangige Befehlshaber der Armee getötet worden. Dies berichteten die Polizei und der staatliche Fernsehsender Al Iraqiya am Donnerstag. Demnach starben der stellvertretende Kommandeur für die Militäraktionen in der Provinz Al Anbar, General Abdel-Rahman Mahdi, und der Brigadegeneral Sufin Abdel Madschid in der umkämpften Provinz im Westen des Landes. Einer der Attentäter bei dem Selbstmordanschlag der IS-Terrormiliz auf die irakische Armee im Westen des Landes stammt offensichtlich aus Deutschland. Die Terrormiliz erklärte im Internet, ein Mann mit dem Namen Abu Mukatil al Almani ("der Deutsche") sei einer von sechs Angreifern gewesen. Sie sprengten sich demnach in der Provinz Al Anbar in vier Wagen in die Luft. (mit dpa/AFP)

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