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Kampf um Kobane : Neue Luftangriffe gegen den IS - Kämpfe in den Straßen

Die Terrormiliz IS dringt trotz Luftangriffen der Koalition immer weiter in die Stadt Kobane vor. Die Kurden leisten erbitterten Widerstand. Die Türkei hat Panzer aufgefahren, greift aber nicht ein. Die Kurden werfen der Türkei eine Unterstützung des IS vor.

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Am Stadtrand von Kobane weht die schwarze Flagge der IS.
Am Stadtrand von Kobane weht die schwarze Flagge der IS.Foto: AFP

Die US-geführte Koalition im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat am Dienstag neue Luftangriffe gegen Stellungen der Extremisten in der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane geflogen. Dabei wurden Ziele im Südwesten der Kurdenstadt getroffen, wie eine AFP-Reporterin von der türkischen Grenze berichtete. Die Kämpfe zwischen Extremisten der Gruppe Islamischer Staat (IS) und kurdischen Milizionären in der nordsyrischen Stadt Kobane haben sich nach Angaben von Aktivisten auf Viertel im Süden und Westen ausgeweitet. Die IS-Dschihadisten hatten zuvor drei Viertel im Osten der syrischen Stadt an der Grenze zur Türkei erobert.
Trotz heftiger Gegenwehr der kurdischen Volksverteidigungseinheiten und Luftangriffen der internationalen Militärallianz rücken die Dschihadisten seit Tagen immer weiter auf die Kurdenstadt vor. Am Montag hissten sie zwei schwarze Fahnen am Ostrand der Stadt. Sollte es ihnen gelingen, die auf Arabisch Ain al-Arab genannte Stadt einzunehmen, würden sie ein langes Stück der türkisch-syrischen Grenze kontrollieren.

Da sich die Gefechte inzwischen in unmittelbarer Nachbarschaft der Grenzlinie zur Türkei abspielen, ließ die türkische Armee rund zwei Dutzend Panzer in Grenznähe auffahren. Der Kommandeur der türkischen Landstreitkräfte, General Hulusi Akar, inspizierte die Truppen an der Grenze. Zuvor hatten die türkischen Behörden mehrere tausend Bewohner und Flüchtlinge aus den Dörfern entlang des Grenzzauns evakuiert und auch Journalisten aus der Gegend verwiesen; teilweise wurden die Betroffenen mit Tränengas vertrieben. Mehrere in Syrien abgefeuerte Geschosse schlugen laut Medienberichten am Montag auf der türkischen Seite der Grenze ein. Dennoch erwiderten die türkischen Truppen das Feuer nicht.

Für die islamischen Extremisten vom IS wäre die Einnahme von Kobane nach rund dreiwöchiger Belagerung ein weiterer Erfolg bei der Eroberung weiter Teile von Irak und Syrien. Kobane würde der Gruppe die ungehinderte Kontrolle über mehrere hundert Kilometer Grenzlinie zur Türkei sichern.

Islamisten aus dem Kaukasus

Der großen Bedeutung der Stadt für die Dschihadisten entsprechend setzen sie beim Angriff auf Kobane moderne Panzer und Artillerie ein. Nach unbestätigten Meldungen werden die IS-Truppen bei Kobane von Omar al Shishani befehligt, einem georgischen Extremisten und ranghohen Kommandeur der IS-Kampfverbände. Unter den Angreifern von Kobane sollen viele Islamisten aus dem Kaukasus sein.

Kampflugzeuge der US-geführten Anti-IS-Koalition flogen in der Nacht zum Montag erneut Angriffe auf die Stellungen der Islamisten vor Kobane, konnten den Vormarsch der Dschihadisten aber nicht stoppen. Ein Sieg des IS in Kobane würde deshalb auch die westliche Strategie begrenzter Luftangriffe in Syrien und im Irak in Frage stellen.

Sollte Kobane an den IS fallen, wäre das syrische Nachbarland Türkei mehr denn je der Gefahr von IS-Anschlägen auf eigenem Boden ausgesetzt. Auch westliche Staaten könnten dann in den Konflikt hineingezogen werden. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte am Montag, notfalls werde die Allianz Bodentruppen in die Türkei schicken, um den Verbündeten gegen Angriffe zu verteidigen. Deutschland, die Niederlande und die USA haben bereits Raketenabwehrsysteme vom Typ Patriot im türkischen Grenzgebiet zu Syrien stationiert.

Kurden werfen Türkei Unterstützung des IS vor

Die Türkei müsste sich im Falle eines Sieges des IS in Kopane auch auf einen möglichen Neubeginn des bewaffneten Kampfes der PKK-Kurdenrebellen einstellen. Die PKK wirft Ankara eine Unterstützung des IS vor und droht mit neuer Gewalt in der Türkei selbst, wenn die vom syrischen PKK-Ableger PYD geführten kurdischen Verteidiger der Stadt unterliegen sollten. Pro-kurdische Medien berichteten am Montag, die türkischen Behörden verweigerten die medizinische Behandlung von kurdischen Kämpfern, die in Kobane verwundet worden seien.

Trotz der dramatischen Lage in Kobane und trotz der Vorwürfe der kurdischen Seite bleibt die Türkei bei ihrer Haltung, erst dann aktiv in die Kämpfe gegen den IS in Syrien einzugreifen, wenn die USA zu militärischen Schritten gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bereit sind. Ankara argumentiert, Assads rücksichtsloses Vorgehen gegen die Opposition sei die Ursache für die Entstehung von Gruppen wie dem IS.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte dem US-Sender CNN, die US-Strategie in Syrien müsse mit Blick auf Assad hin erweitert werden, wie die CNN-Chefreporterin Christiane Amanpour auf Twitter mitteilte. Zudem fordert die Türkei weiter ein Flugverbot über Syrien sowie die Einrichtung von Pufferzonen auf syrischem Gebiet. (mit AFP)

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