Karlsruhe hat das letzte Wort : Verfassungsklagen gegen Euro-Rettung eingereicht

Unmittelbar nach Verabschiedung der Zustimmungsgesetze zum europäischen Fiskalpakt und zum Euro-Rettungsschirm ESM sind in der Nacht zum Samstag beim Bundesverfassungsgericht bereits angekündigte Klagen eingegangen. Das letzte Wort in Sachen Euro-Rettung wird in Karlsruhe gesprochen.

Die Linkspartei (im Bild: Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi) klagt gegen die Beschlüsse zur Euro-Rettung vor dem Bundesverfassungsgericht.
Die Linkspartei (im Bild: Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi) klagt gegen die Beschlüsse zur Euro-Rettung vor dem...Foto: dapd

Gegen Mitternacht gab ein Bote die Verfassungsbeschwerde des CSU-Politikers Peter Gauweiler an der Pforte des Gerichts ab. Auch die Beschwerdeschrift des Vereins „Mehr Demokratie“, der sich nach dessen Angaben rund 12 000 Bürger angeschlossen hatten, wurde beim höchsten deutschen Gericht eingereicht. Diese Klage wird von der früheren Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und dem Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart vertreten. Eine Klage der Linken wurde nach Angaben eines Fraktionssprechers ebenfalls unmittelbar nach der Bundesratsabstimmung nach Karlsruhe gefaxt. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi begründete den Schritt im Bundestag unter anderem damit, dass es für den Fiskalpakt keine Kündigungsmöglichkeit gebe. Zudem werde die Budgethoheit des Bundestags gravierend eingeschränkt. Der Fiskalpakt regele völkerrechtlich verbindlich den Grad der Neuverschuldung, den Abbau von Schulden und automatische EU-Sanktionen für Deutschland. „Wissen Sie nicht, dass Sie damit die Ewigkeitsklausel des Grundgesetzes verletzen?“, sagte Gysi an die Adresse der Bundesregierung.

Insgesamt sind fünf Klagen gegen die Maßnahmen in Karlsruhe angekündigt. Bundestag wie Bundesrat hatten die Gesetze zum milliardenschweren Euro-Rettungsschirm und zum Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin zuvor jeweils mit Zweidrittel-Mehrheit verabschiedet.

Das Bundesverfassungsgericht hatte Bundespräsident Joachim Gauck gebeten, mit der Unterzeichnung der Zustimmungsgesetze zu ESM und Fiskalpakt zu warten, bis das Gericht über die Eilanträge der Kläger entschieden hat. Es wird damit gerechnet, dass dies noch im Juli geschieht.

Euro-Skeptiker Wolfgang Bosbach im Video:

„Wir klagen gegen die Verträge, weil sie einen Demokratieabbau im doppelten Sinne bedeuten“, erläuterte Däubler-Gmelin. „Zum einen werden unwiederbringlich Haushaltskompetenzen und Souveränitätsrechte des Bundestages nach Brüssel abgegeben. Dadurch wird das Bundestags-Wahlrecht entwertet. Zum anderen läuft die Ratifizierung völlig hektisch und an der Bevölkerung vorbei.“ In einer Pressemitteilung Gauweilers hieß es, Fiskalpakt wie ESM würden „in schwerwiegender Weise gegen das Demokratieprinzip verstoßen“. So übertrage der ESM-Vertrag die Verfügung über Steuergelder in dreistelliger Milliardenhöhe auf eine „demokratisch nicht legitimierte Organisation“.

Die Beschlüsse des Brüsseler EU-Gipfels in der Nacht zum Freitag hätten in der Klageschrift nicht mehr berücksichtigt werden können, sagte Degenhart der Nachrichtenagentur dpa. Man plane jedoch, hierzu noch einen ergänzenden Schriftsatz einzureichen. An diesem Samstag will außerdem eine Gruppe von Klägern um den emeritierten Nürnberger Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider ihre Klageschrift öffentlich einreichen. (dpa)

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