Kirche zu Kampf gegen IS-Rebellen : Bayerischer Landesbischof für Militäreinsätze im Irak

Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der evangelischen Kirche in Bayern, unterstützt die Luftangriffe der USA im Nordirak - und erntet Kritik. Gleichzeitig kritisiert er die Bundesregierung für ihre Rüstungsexportpolitik.

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Das Bild der US-Navy zeigt eine F/A-18C Hornet, die auf einem Flugzeugträger für einen Luftangriff auf IS-Terroristen im Irak vorbereitet wird.
Das Bild der US-Navy zeigt eine F/A-18C Hornet, die auf einem Flugzeugträger für einen Luftangriff auf IS-Terroristen im Irak...Foto: dpa

Heinrich Bedford-Strohm weiß um das Dilemma. Dass der bayerische Landesbischof sich für die militärischen Einsätze der USA gegen die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) ausspricht, bringt ihn und die Kirche in eine missliche Lage. "Was wir in diesen Tagen im Irak erleben, ist auch eine Herausforderung für die ökumenische Friedensethik", schreibt der bayerische evangelische Landesbischof auf seiner Facebook-Seite. Denn wie kann es sein, dass die Kirche Luftangriffe befürwortet? Widerspricht das nicht ihren Urverständnis?

"Die aktive Tötung von Menschenleben ist immer mit Schuld verbunden", schreibt Bedford-Strohm dann auch. Und: "Gewalt ist immer eine Niederlage. Jeder Mensch, auch wenn er IS-Kämpfer ist, ist ein kostbares Geschöpf Gottes mit einer Würde, die er auch durch die schlimmsten Taten nicht verlieren kann." Trotzdem ist der Landesbischof dafür, die Gewalt der Islamisten militärisch zu stoppen. Er unterstützt die militärischen Aktionen der USA offen - und öffentlich. Für ihn ist es eine Frage der Abwägung: "Ich bin zu der klaren Auffassung gekommen, dass angesichts der von den IS-Milizen eingekesselten Jesiden-Flüchtlinge in den Sindschar-Bergen der Einsatz von Waffengewalt gegen die IS gegenwärtig das kleinere Übel ist."

Gewalt als "kleineres Übel"

Das kleinere Übel, weil die brutale Gewalt der IS-Milizen bereits mehr als eine halbe Million Menschen im Nordirak in die Flucht geschlagen hat. Die radikal-sunnitische Terrorgruppe verfolgt vor allem Christen, Schiiten und Jesiden, aber auch moderate Sunniten. "Es gebe jetzt die Chance, die brutalen Exekutionen und sexuellen Gewalttaten der Extremistengruppe (IS) endlich zu stoppen", schreibt der Bischof. Es sei nicht zu rechtfertigen, die unmittelbar bedrohten Jesiden-Flüchtlinge ohne effektiven Schutz zu lassen.

In der Kritik. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
In der Kritik. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-StrohmFoto: dpa

Angesichts der Gewalt im Nordirak hatten Hilfswerke und Kirchenvertreter schon zuvor einen entschlossenen Einsatz der internationalen Gemeinschaft gefordert. Dennoch eckt Bedford-Strohm mit seinen Ansichten durchaus an, außerhalb und innerhalb der Kirche. Auf der Facebook-Seite Bedford-Strohms antwortet zum Beispiel Ulrich Kasparick direkt, der einst als Parlamentarischer Staatssekretär arbeitete und seit 2011 Pfarrer in Hetzdorf (Uckerland) ist. "Es gab nicht mal einen Antrag auf ein UN-Mandat. Es gibt auch keine Zustimmung des Weltsicherheitsrats", schreibt er. Die Begründung des Einsatzes mit "amerikanischen Interessen" genüge nicht. Und überhaupt sei es bemerkenswert, dass sich kein einziger der Verbündeten an diesem Einsatz beteiligt.

Kritik am Rüstungsexport

Der bayerische Landesbischof verteidigt seine Meinung unter anderem mit einem Verweis auf einen "Aufruf zum gerechten Frieden", den der Zentralausschuss des Weltkirchenrats 2011 verabschiedet hat. Dort heißt es: ""Es gibt Extremsituationen, in denen der rechtmäßige Einsatz von Waffengewalt als letzter Ausweg und kleineres Übel notwendig werden kann, um gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen, die unmittelbaren tödlichen Gefahren ausgesetzt sind."

Seine Einlassung zur Operation im Irak nutzt Bedford-Strohm aber auch für grundsätzliche Kritik, etwa an den deutschen Rüstungsexporten. "Auch ist klar, dass es nicht zuletzt eine auch in Deutschland viel zu laxe Rüstungsexportpraxis und natürlich der Irakkrieg waren, die zu der jetzigen Situation überhaupt erst geführt haben", sagt er. Zuletzt hatte es im Zuge der Ukraine-Krise wieder Diskussionen um das deutsche Rüstungsgeschäft gegeben. Einen Deal in dreistelliger Millionenhöhe zwischen Rheinmetall und Russland unterband die Regierung.

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