Kleingartenverein in Sachsen-Anhalt : "Wir wollen keine Ausländer"

Ein Kleingartenverein in Sachsen-Anhalt lehnte laut einem Zeitungsbericht die Aufnahme eines Migranten ab. Der Landesverband distanziert sich von der Ausgrenzung.

Kleingartenidylle. Manche sehen sie offenbar durch Ausländer gestört.
Kleingartenidylle. Manche sehen sie offenbar durch Ausländer gestört.Foto: Mike Wolff

In Wittenberg lehnt ein Kleingartenverein laut einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" die Aufnahme von Migranten ab. Dem libanesischstämmigen Unternehmer Ali Ismais sei im Kleingartenverein "Am Trajunschen Bach" die Übernahme einer frei werdenden Parzelle verweigert worden, berichtete die Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf den Betroffenen und den stellvertretenden Vereinschef der Kleingärtner. "Wir wollen keine Ausländer", hieß es demnach zur Begründung.

Der Vizevereinschef habe zudem gesagt, es gebe mit Russlanddeutschen schon genügend Ausländer in dem Verein. Die Landesintegrationsbeauftragte Susi Möbbeck kritisierte die Entscheidung des Vereins gegenüber der Zeitung scharf: "Niemand darf wegen seiner Herkunft ausgeschlossen werden", sagte die Staatssekretärin im Sozialministerium dem Blatt. "Das verstößt gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz und gegen das Antidiskriminierungsgesetz."

Der Landesverband der Gartenfreunde distanzierte sich von Ausgrenzung. "Wir sind nicht ausländerfeindlich", sagte Präsident Peter Riebeseel der "Mitteldeutschen". "Im Gegenteil, wir sind doch froh, wenn wir Menschen finden, die ticken wie wir", fügte er hinzu. Viele Gartenvereine im Land klagten über Nachwuchsmangel.

Der Unternehmer mit libanesischen Wurzeln, der seit 26 Jahren einen deutschen Pass hat, ist offenbar kein Einzelfall in der Stadt, berichtet die Zeitung weiter. Eine Flüchtlingsbetreuerin habe von einem Mann aus Syrien berichtet, dessen Bewerbung um einen Garten von einem anderen Verein abgelehnt worden sei. Die Betreuerin sagte, ein Gespräch des Syrers mit den Verantwortlichen sei „abgelaufen wie ein Verhör. Er wurde gefragt, ob seine Frau Kopftuch trage oder verschleiert sei“. Per Mail habe der Mann dann die Ablehnung erhalten. „Zur Begründung hieß es, Gärten sind für Ausländer nicht vorgesehen“, so die Betreuerin.
Im Jahr 2011 hatte der Kleingartenverein Harksheide-Kringelkrugweg in Norderstedt (Schleswig-Holstein) mit einem Beschluss der Mitgliederversammlung Aufsehen erregt. Darin wurde eine Obergrenze für Migranten festgelegt. Nur noch neun der 73 Kleingärten sollten an Bürger mit Migrationshintergrund vergeben werden. Das Argument der Migranten-Gegner: Diese würden sich nicht integrieren, dafür aber laut feiern. (Tsp/epd/AFP)

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