Krieg im Donbass : Russland und die ukrainische Pilotin: Aussage gegen Aussage

In Russland beginnt das symbolträchtige Verfahren gegen die ukrainische Pilotin Nadeshda Sawtschenko. Sie soll für den Tod von zwei russischen Reportern verantwortlich sein.

von
Nadeshda Sawtschenko versuchte mit einem Hungerstreik freizukommen. Nun beginnt ihr Prozess.
Nadeshda Sawtschenko versuchte mit einem Hungerstreik freizukommen. Nun beginnt ihr Prozess.Foto: AFP

Für Russland ist sie eine mehrfache Mörderin, die Ukraine ehrte sie mit dem Titel einer Nationalheldin, einem Sitz im Parlament und einem Mandat für die Parlamentarische Versammlung des Europarates. Dahinter steckte auch das Kalkül, die damit verbundene Immunität werde Nadeshda Sawtschenko freipressen. Denn die ukrainische Fliegerin sitzt seit Juli 2014 in Russland in Haft. Am Donnerstag nun begann ihr Prozess.

Nadeshda Sawtschenko, 34, soll ukrainischen Truppen im Juni 2014 die exakten Koordinaten eines Kamerateams übermittelt haben, das für das russische Staatsfernsehen über die Kämpfe im Osten des Landes berichtete. Bei einem Mörserangriff kurz darauf starben zwei Journalisten. Die Beweise dafür sind laut russischer Generalstaatsanwaltschaft „ausreichend“.

Sawtschenko bestreitet die Vorwürfe. Die Separatisten hätten sie noch vor den Schüssen auf die Journalisten gefangen genommen und dem russischen Geheimdienst übergeben, der sie über die Grenze verschleppte. Moskau stellt es anders dar: Sawtschenko sei, als Kriegsflüchtling getarnt, beim illegalen Grenzübertritt verhaftet worden.

Aussage steht gegen Aussage. Für ihre Version trat Sawtschenko während der Untersuchungshaft sogar in einen mehrmonatigen Hungerstreik, der sie fast das Leben gekostet hätte. Die Spuren sind noch sichtbar auf den Bildern vom Prozessbeginn: Extrem kurze Haare umrahmen scharfe Gesichtszüge, halb verdeckt von eisernen Gitterstäben. Gegen den Willen der Angeklagten entscheidet über schuldig oder nicht schuldig nun nicht eine Geschworenen-Jury, sondern ein Kollegium aus Berufsrichtern. So, wie in allen politisch aufgeladenen Prozessen in der jüngeren Geschichte Russlands.

Auch von der Causa Sawtschenko, die auf Twitter inzwischen über 15 000 Follower hat, hängt ab, wie sich das Verhältnis zwischen Moskau und dem Westen weiterentwickelt. USA, Europa und die OSZE kritisieren die „illegale Internierung“ und fordern Sawtschenkos Freilassung im Rahmen eines Gefangenenaustausches. Das ist nach russischem Recht erst nach einem abgeschlossenen Gerichtsverfahren möglich. Doch das könnte nach Moskau verlegt werden, wo der Fall durch die geballte Präsenz westlicher Medien einen ganz anderen Resonanzboden bekäme. Ein entsprechender Antrag der Verteidigung wird derzeit geprüft. Optimisten sehen darin ein Signal für Kompromissbereitschaft.

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben