Krieg in Syrien : Kurden melden Offensive auf IS-Hochburg Rakka

Kurdische Kräfte haben nach eigenen Angaben mit dem Sturm auf die IS-Hochburg Rakka in Syrien begonnen. Präsident Assad sieht den westlichen Einfluss im Land schwinden.

Kommandeure der Koalition der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) verkünden den Start des Angriffs.
Kommandeure der Koalition der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) verkünden den Start des Angriffs.Foto: AFP

Parallel zur Großoffensive auf die irakische IS-Hochburg Mossul soll in Syrien auch die Stadt Rakka von der Extremistenmiliz befreit werden. Die von den USA unterstützte Koalition der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) erklärte am Sonntag, der Sturm auf Rakka habe begonnen. Ziel der Operation "Angry Euphrates" sei es, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ aus Rakka, das als Hauptstadt des IS in Syrien gilt, zu vertreiben, sagten SDF-Vertreter in der 60 Kilometer nordwestlich von Rakka gelegenen Stadt Ain Issa. Unterstützt würden die Angreifer von einer US-geführten Militärkoalition und den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), dem bewaffneten Arm der SDF.

Die YPG und die SDF sind in Syrien die wichtigsten Verbündeten des Westens gegen die sunnitischen Extremisten des IS. Die Kurdenmiliz beherrscht große Teile der Grenze zur Türkei. Ankara will aber verhindern, dass die Kurden weitere Gebiete unter ihre Herrschaft bringen. Die türkische Armee hatte im August einen Bodeneinsatz mit Panzern in Syrien begonnen. Sie unterstützt damit Rebellen und bekämpft die YPG und den IS.

Nach den Worten des syrischen Machthabers Präsident Baschar al Assad spielt der Westen in dem Konflikt im Land eine immer geringere Rolle. In der Vergangenheit sei ihm häufig vorgeworfen worden, „von der Realität abgekoppelt“ zu sein, sagte Assad der britischen Zeitung "The Sunday Times". "Jetzt ist es anders", fügte er hinzu. "Der Westen wird immer schwächer."

Syrien Präsident Baschar al Assad bei einem Besuch 2015 bei Russlands Staatschef Wladimir Putin.
Syrien Präsident Baschar al Assad bei einem Besuch 2015 bei Russlands Staatschef Wladimir Putin.Foto: dpa

Der IS habe im Nachbarland Irak unter der Beobachtung durch „Satelliten und Drohnen der USA“ Öl geschmuggelt und Ölfelder ausgebeutet, sagte Assad. Der Westen habe dazu "nichts gesagt". Seit dem Eingreifen Russlands in den Syrien-Konflikt sei der IS nun aber "in jeder Hinsicht zusammengeschrumpft". Russland hatte im September 2015 militärisch in den Syrien-Konflikt eingegriffen und unterstützt Assads Truppen mit Luftangriffen. Vor allem die russische Beteiligung an der Offensive in der nordsyrischen Stadt Aleppo stößt im Westen auf heftige Kritik.

Assad sagte in dem Interview, die russischen Luftangriffe hätten seine Truppen entscheidend vorangebracht: Die "Feuerkraft" der russischen Kampfflugzeuge habe den "Ausschlag gegeben", sagte Assad. "Sie haben die Feuerkraft, die wir nicht haben". Vor dem russischen Eingreifen hätten seine Truppen einer "unbegrenztem Reserve an Terroristen" gegenübergestanden und schwer zu kämpfen gehabt, sagte Assad. Die "russische Feuerkraft" und auch die "iranische Unterstützung" hätten das "ausgeglichen".

Assad bekräftigte seine Entschlossenheit, die Rebellen aus Aleppo zu vertreiben. "Terroristen" hätten einen Teil der Stadt besetzt, "und wir müssen sie loswerden". Auf die Frage, ob ihm die in Aleppo und in anderen Landesteilen getöteten Kinder schlaflose Nächte bereiteten, antwortete Assad: "Ich schlafe regelmäßig, ich schlafe, arbeite und esse normal und ich treibe Sport." (rtr/dpa/AFP)

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