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Krieg in Syrien : Wladimir Putin: Russische Kampfjets unterstützen Bodenoffensive

Syriens Armee hat eine Bodenoffensive gegen die Rebellen gestartet. Russland unterstützt die Offensive mit Luftschlägen. Dahinter steckt ein wohlüberlegter Plan.

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Zwei russische SU-25-Kampfjets starten vom syrischen Luftwaffenstützpunkt Hmeymim. Das Bild hat das russische Verteidigungsministerium veröffentlicht.
Zwei russische SU-25-Kampfjets starten vom syrischen Luftwaffenstützpunkt Hmeymim. Das Bild hat das russische...Foto: dpa

Eine Woche nach dem Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien hat Kremlchef Wladimir Putin mit einer Demonstration militärischer Macht an mehreren Fronten ein Zeichen gesetzt, um sich als entscheidender Akteur in dem Konflikt zu präsentieren. Im Westen Syriens halfen russische Kampfflugzeuge am Mittwoch syrischen Regierungstruppen erstmals bei einer Bodenoffensive gegen Rebellen. Gleichzeitig griff das russische Militär weiter östlich mit Mittelstreckenraketen die Stellungen des „Islamischen Staates“ (IS) an. Nach Einschätzung eines Experten folgt Russland in Syrien einem wohlüberlegten Plan.

Die russischen Luftangriffe vom Mittwoch konzentrierten sich auf ein Gebiet einige Dutzend Kilometer südlich der türkischen Grenze im Westen Syriens. Dort, bei der Stadt Hama und in der Grenzprovinz Idlib, spielten sich nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die heftigsten Kämpfe seit Monaten ab. In der Region hatten die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al Assad in jüngster Zeit Rückschläge gegen Rebellenverbände erlitten.

Nun eröffneten die Regierungstruppen, die laut Medienberichten von libanesischen Hisbollah-Kämpfern und möglicherweise auch von iranischen Revolutionsgardisten unterstützt wurden, eine Gegenoffensive, die nach den russischen Luftschlägen begann. Rebellenpositionen wurden mit Boden-Boden-Raketen beschossen. Unklar blieb zunächst, ob die Regierungsseite auch Bodengewinne erzielen konnte. Von den unter Druck geratenen Rebellengruppen – der von der Türkei unterstützten Miliz Ahrar al Sham und der zu Al Qaida gehörenden Nusra-Front – lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Die offenbar koordinierten Angriffe auf die Rebellen aus der Luft und vom Boden aus markieren eine neue Stufe der russischen Hilfe für Assad. Eine weitere Machtdemonstration lieferte Moskau mit einem Raketenangriff auf den IS von Schiffen im Kaspischen Meer aus – rund 1500 Kilometer entfernt. Insgesamt 26 Marschflugkörper sollen elf Posten der Dschihadisten zerstört haben. Auf dem Weg zu ihren Zielen in Syrien überflogen die Raketen iranisches und irakisches Gebiet. Damit zeigt die Großmacht Russland nicht nur ihre militärische Stärke, sondern tritt auch dem Eindruck entgegen, dass sie in Syrien überwiegend gemäßigte Gegner Assads angreift statt den IS. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte gesagt, von 57 russischen Luftangriffen hätten sich 55 gegen gemäßigte Rebellen gerichtet und nur zwei gegen den IS.

Davutoglu sagte, das russische Vorgehen könnte eine neue Fluchtwelle von Syrern in die Türkei auslösen. Nach einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu flohen Bewohner der Gegend um Hama am Mittwoch vor den neuen Kämpfen. Die türkische Regierung rechnet mit mehr als einer Million zusätzlicher Flüchtlinge, falls die russische Intervention das bestehende militärische Gleichgewicht im Westen und Norden Syriens verändern sollte.

Im Streit mit dem Westen über das Vorgehen in Syrien erklärte sich Russland zu einer besseren Koordination bereit. Dagegen haben die USA klargestellt, dass es zunächst keinen Austausch militärischer Aufklärungsinformationen geben wird. Der US-Botschafter bei der Nato, Douglas E. Lute, sagte am Mittwoch dem Tagesspiegel: „Solange wir nicht dieselben Ziele in Syrien verfolgen, wird es einen solchen Austausch nicht geben.“ Moskau argumentiert, das russische Engagement gelte „Terroristen“, die in Syrien aktiv seien.

Nach Meinung des Istanbuler Politologen Behlül Özkan ist der russischen Regierung tatsächlich daran gelegen, gegen den IS vorzugehen. Russland sorge sich wegen der Gefahr eines erstarkenden islamischen Extremismus auf dem eigenen Gebiet und in anderen Teilen der früheren Sowjetunion, sagte Özkan. Allerdings verfolge Moskau in Syrien eine Doppelstrategie, die auch Assad schützen sollte. Zunächst wolle Russland im Rahmen des Kampfes gegen „Terroristen“ die vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien ausschalten, um auf diese Weise die Regierung in Damaskus zu stützen, sagte Özkan. Erst wenn dieses Ziel erreicht sei, werde Russland den Westen aufrufen, gemeinsam mit dem russischen Militär gegen den IS vorzugehen. (mit uls)



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