Politik : Kritik an GUS-Manöver im Kaukasus

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Moskau - Georgien sprach von einer Bedrohung für die gesamte Region, Nachbar Aserbaidschan ist ebenfalls ungehalten, der Westen zumindest irritiert. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte bei den am Mittwoch im Südkaukasus beendeten Manövern der Organisation des Vertrags für kollektive Sicherheit – sie ist das Sicherheitsbündnis der UdSSR-Nachfolgegemeinschaft GUS – mangelnde Transparenz beklagt. Ausländische Beobachter waren nicht eingeladen und blieben auch bei der parallel in Südrussland abgehaltenen strategischen Kommandostabsübung der russischen Armee ante portas.

Grund zur Sorge gibt es in der Tat: Die Übung fand nicht nur in Armenien statt, sondern auch in Berg-Karabach, einer zu Aserbaidschan gehörenden, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnten Region, um die beide einen erbitterten Krieg führten. Unter den 2000 Elitesoldaten waren zudem Teile jener Kontingente, die Moskau in Georgiens abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien stationiert hat. Ursprünglich war sogar geplant, beide Gebiete in die Übung miteinzubeziehen. Dass Moskau darauf verzichtete, erklärte Georgien mit Druck des Westens.

Kritische Beobachter rätseln vor allem, wie russische Kampfflugzeuge, Fallschirmjäger, Raketen und schwere Artillerie ins Manövergebiet gelangten. Armenien und Karabach grenzen nicht an Russland, und Georgiens Luftraum ist für russische Militärflugzeuge gesperrt. Unklar ist auch der Zweck der Übung, bei der es offiziell um „Neutralisierung potenzieller Bedrohungen“ ging. Die Mehrheit der Beobachter vermutet, zumal auch Geheimdienste beteiligt waren, ein Sicherheitstraining für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Moskau fürchtet Terroranschläge nordkaukasischer Untergrundkämpfer. Andere tippen auf eine Drohgebärde Richtung Westen für den Fall eines Militärschlags gegen den Iran, bei dem Moskau, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ warnte, „nicht neutral bleiben“ werde.Elke Windisch

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