Landtagswahl in Schleswig-Holstein : Warum ist die AfD an der Küste so schwach?

Die AfD zieht mit knapp sechs Prozent in den Kieler Landtag ein. Daran ist nicht nur der blasse Spitzenkandidat schuld.

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AfD-Spitzenkandidat Jörg Nobis spricht in Kiel im Wahlstudio. Foto: dpa
AfD-Spitzenkandidat Jörg Nobis spricht in Kiel im Wahlstudio.Foto: dpa

Dass es knapp werden würde, war bereits länger klar. Seit Monaten liegt die AfD in Schleswig-Holstein in der Wählergunst weit unter dem Bundesdurchschnitt. Ende April dann zwei Umfragen, die der Partei Werte bei fünf Prozent bescheinigten. Im anderen politischen Lager - allen voran bei SPD-Landeschef Ralf Stegner - mehrte sich die Hoffnung: Würde man die AfD am Einzug in das zwölfte Landesparlament in Folge hindern können?

"Kein Alleinunterhalter"

Das gelang zwar nicht. Doch nach dem Saarland, wo die AfD mit 6 Prozent in den Landtag einzog, ist dies nun die nächste Wahl, bei der die AfD nur schwer über die Fünf-Prozent-Hürde kam. Während es im Saarland die rechtsextremen Tendenzen waren, die der AfD zu schaffen machten, plagte sie in Schleswig-Holstein die eigene Konturlosigkeit - inhaltlich und personell. „Es gibt hier einfach keine eloquente Figur, der es gelingt, die Regierung vor sich herzutreiben“, sagt der Kieler Politologe Wilhelm Knelangen. Der Spitzenkandidat Jörg Nobis sei „kein Alleinunterhalter, der die AfD-Programmatik in zugespitzte Floskeln gießen kann“. 77 Prozent der Befragten in einer Umfrage von Infratest dimap gaben gar an, Nobis gar nicht zu kennen oder sich kein Urteil über ihn bilden zu können. Der blasse, jungenhaft aussehende 41-Jährige wirkt oft zahm, zurückhaltend und unsicher. Ihm fehlt ein Thema, die Slogans auf seinen Plakaten sind schwammig. Mit der Flüchtlingskrise jedenfalls kann seine Partei in Schleswig-Holstein nicht mehr groß punkten.

Alternativen zur Alternative

Dazu war die AfD im Norden in den vergangenen Monaten stark mit sich selbst beschäftigt. Es tobt ein Streit darum, ob der jetzige Landesvorstand mit Nobis rechtmäßig im Amt ist. Das Landesschiedsgericht stellte kurz vor der Wahl fest: Er ist es nicht. Bei der Vorstandswahl im vergangenen Jahr soll es bei der Einladung der Mitglieder zu „Unregelmäßigkeiten“ gekommen sein. Der Vorstand muss bei nächster Gelegenheit neu gewählt werden.

Probleme macht der AfD außerdem die politische Konkurrenz: Knelangen beobachtet, dass sich die großen Parteien in Schleswig-Holstein stark darum bemühen, sich voneinander abzugrenzen. „Das gelingt ihnen gut“, sagt er. Die CDU fahre in der inneren Sicherheit einen relativ konservativen Kurs, die SPD dagegen sei ein eher linker Landesverband. Es gibt Alternativen zur Alternative.

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