Leseraktion : Jeff Jarvis: "Im Netz gibt es viele Idioten"

Netzaktivist Jeff Jarvis erklärt die digitalen Lebenswelten auf dem Demokratiekongress. Und Hans-Peter Friedrich betont die Zerbrechlichkeit der Freiheit. Unser Live-Blog vom Kongress zum Nachlesen.

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Blogger und Google-Experte Jeff Jarvis war auch schon zu Gast auf der Berliner Republica.
Blogger und Google-Experte Jeff Jarvis war auch schon zu Gast auf der Berliner Republica.Foto: dpa

14:53: Viele Fragen richten sich an die Missbrauchsgefahren von großer Öffentlichkeit und dem Internet. Und Jarvis stellt eines klar: "Das Internet ist kein Platz, um dort Geheimnisse aufzubewahren, es ist dafür da, Wissen zu teilen." Das war unser Blog vom Demokratiekongress der Konrad-Adenauer-Stiftung. In einzelnen Foren wird nun noch diskutiert, wie sich die Digitalisierung auf Medien, Politik und Politische Bildung auswirken. Darüber werden wir ebenfalls noch berichten. Bis hierhin erst einmal vielen Dank für Kommentare, Anregung und Kritik!

14:50: Das darf an dieser Stelle auch mal sein: Jarvis ist begeistert von der Twitter-Kommunikation und auch vom Tagesspiegel, das er den Weg der Digitalisierung beschreitet und hier präsent ist.

14:45: Tagesspiegel-User haben bereits am Interview mit Jarvis die Frage gestellt, inwiefern man die eigene Öffentlichkeit praktizieren kann, ohne die Privatsspähre Anderer zu verletzten. Jarvis: "Ja, ich bin für Privatssphäre. und ich versuche niemanden in mein Glashaus zu ziehen" Schonmal schief gegangen? "Nein, ich passe auf" Daran schließt sich auch die Frage eines Tagesspiegel-Lesers an, der wissen will, inwieweit die persönliche Krankenakte in die Öffentlichkeit gehört. "Man muss immer abwägen, was würde es für einen Nutzen haben, meine Krankheit öffentlich zu machen." Er selbst hatte seinen Prostata-Krebs öffentlich thematisiert. "Ich war beim Anschlag 9/11 in New York und viele andere, die da waren hatten auch Krebs vielleicht gibt es ja einen Zusammenhang".

14:35: Die Fragerunde beginnt und viele wollen wissen. Ist das Netz denn nur gut. "Nein, natürlich nicht. Das Netz ist kein Medium, es ist das Leben und wie im Leben gibt es auch im Netz viele Idioten."

14:20: Welche Prinzipien sollte es geben? Das Recht auf einen Netzzugang zum Beispiel. Dann sollte es eine Ethik des Wissens geben. Informationen müssen weitergeben werden können, jeder muss dann entscheiden, was er damit macht. Und: was öffentlich ist, ist öffentlich. Das ist das Grundproblem, was Jarvis mit dem Verpixeln von Häusern auf Google Street-View hat. Außerdem dürfe es keine Begrenzung des Netzes geben.

14:15: Kleine Spitze noch gegen Hans-Peter Friedrich, der vor ihm einen Vortrag zur Digitalisierung gehalten hat. Eine offene Regierung sehe immer noch anders aus.

14:11: Nicolas Sarkozy habe von einem Verteilungsproblem der Kultur gesprochen, doch genau das Gegenteil ist laut Jarvis richtig: Das Problem ist gelöst. Das Problem haben nur noch die Unternehmen, die davon gelebt haben - die braucht nun keiner mehr.

14:09: Geht um grundsätzliche Diskussionen nicht um Emotionen. Jarvis kritisiert das Verpixeln von Häusern auf Google-Street-View.

14:08: Wer Jeff Jarvis im Video sehen will, kann das unter: www.tagesspiegel.de/politik tun.

14:06: Was ist eine Nation? Was ist eine Öffentlichkeit? Jarvis betont das große Interesse der Deutschen an Privatssphäre, aber viele Kinder benehmen sich nicht wie Deutsche, sondern wie Netzmenschen. er betont, dass offene Regierungen gute Regierungen sind und offene Unternehmen gute Unternehmen.

14:05: Noch sehen wir nichts, sagt Jarvis, wenn wir uns fragen, was die digitale Revolution bewirken wird. 1472 hätte Gutenberg und die Menschen in Mainz auch nicht gedacht, was das alles auslösen würde - bis hin zur Spaltung der Kirche. Wir sind erst am Anfang: We ain't see nothing yet!

14:03: Wissen ist mehr ein Prozess ohne Anfang und Ende. Damit kann das Wissen gesteigert werden.

14:02: Werkzeuge der Öffentlichkeit waren Presse, Marktplätze, geschriebene Musik. Jetzt hat jeder eine Gutenberg-Presse Zuhause. Wir werden alle digital, es gibt keine Trennung mehr zwischen Analog und Digital.

14:00: Privatheit hat viele Beschützer, vielleicht sogar zu viele, sagt Jeff Jarvis zum Auftakt.

13:45: Nachdem Hans-Peter Friedrich seine Sicht der Dinge auf die Digitalisierung kundgetan hat, ist nun Netzaktivist Jeff Jarvis an der Reihe. Im interview mit dem Tagesspiegel hat er bereits auf die Vorzüge der Nacktheit verwiesen.

13:29: Und wie hält es Friedrich selbst mit dem Netz? "Ich selbst bin auf Facebook und auch bei Google." Im Chat sei er eher selten, weil dann innerhalb kurzer Zeit sehr viele Fragen kommen, die er nicht alle beantworten könne. Es ersetzte nicht den Besuch beim Ortsverband, sei aber eine gute Ergänzung.

13:25: An die Frage nach den Daten schließt sich die nach der Vorratsdatenspeicherung natürlich auch von unseren Usern an. Gibt es da Neues? Friedrich verweist auf die geltende Rechtslage durch die EU, die Speicherzeiten von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vorsieht, dies müsse man umsetzen. In Brüssel könne man maximal über eine Kürzung auf vier bis sechs Monate verhandeln.

13:24: Die Frage nach der Datensicherheit beschäftigt ebenfalls einige unserer User. Friedrich: "Die Sicherung von Daten wird eine Dauerherausforderung bleiben. Jedes System, das wir entwickeln, ist immer nur auf Zeit sicher." Auch Sicherheitssysteme im Netz hätten ein Verfallsdatum, so wie auch Lebensmittel ein Verfallsdatum haben. Man versuche gerade ein Kategoriensystem mit verschiedenen Zertifizierungen für unterschiedliche Sicherheitsstufen von Datensicherheit zu schaffen. Es brauche ein Qualitätsbewusstsein für Datensicherheit im Netz.

13:19: Andere Tagesspiegel-Kommentatoren fragen sich, ob das Netz nicht auch für extremistische Gruppen ein prima Betätigungsfeld ist und ob man nicht stärker und schneller Verbote extremistischer Gruppen aussprechen müsse. Friedrich spricht das Beispiel der Salafisten an, die Webseiten unterhalten, die dazu führen können, das sich Menschen selbst radikalisieren. Er bezieht sich auf den Anschlag auf amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen, der Einzeltäter hatte entsprechende Seiten besucht. Der Verfassungsschutz beobachte das Netz, nicht immer könne er zugeben, welche Gruppen man im Visier habe. Rückfrage eines Users, warum erst jetzt beim Thema rechte Gewalt gehandelt werde. Waren wir auf dem rechten Augen blind? Nein, sagt Friedrich, und lobt, die Gründung eines Abwehrzentrums gegen rechtsextreme Gewalt. ja, man hätte das früher machen können, aber jetzt machen wir es. Beim Thema islamistische Gewalt habe man auch nach dem Anschlag am 11. September 2011 reagiert.

13:05: Unsere User kritisieren vor allem den Ansatz von Friedrich, wonach das Netz die familiären Strukturen stärken würden und sind die Meinung, dass eher die Vereinsamung und Isolation gefördert werde. Friedrich: "Das ist natürlich richtig, dass es diese Gefahren gibt. Allerdings gibt es eben auch die positiven Aspekte der Digitalisierung für das soziale Zusammenleben."

12:50: Die Fragerunde ist eröffnet. Auch die Fragen unserer User kommen dran.

12:45: "Die Digitalisierung nutzen, um Bürger stärker zu beteiligen. aber aufpassen, dass nicht nur eine kleine Gruppe das Nutz, sondern die große Masse muss die Fähigkeit haben, sich zu beteiligen. Wenn nicht, bekommen wir nur eine kleine Sicht der Dinge. Auch überlegen, wie man das gesetzlich so regelt, dass es von vornherein integriert ist in einen Planungsprojekt." Politische Stiftungen sollten die Fähigkeiten vermitteln.

12:41: "Ich bin erschrocken über die Rigorosität im Netz. Aber Politiker sollten die Befindlichkeiten in der Bevölkerung auch über das Netz aufspüren."

12:40: "Auch das Parteiensystem und das Wahlsystem in Deutschland sind auf Kommunikation ausgelegt."

12:36: Das Netz, sagt Friedrich, beschleunige das Leben aber auch. Und es macht eine Fülle an Informationen verfügbar. Aber wer ordnet sie ein? Früher hätten das ausschließlich Journalisten gemacht. Aber heute? Eine Rückbindung in die reale Welt ist nötig, sagt Friedrich. Auch die Zunahme von Religion, die Sehnsucht nach dem Religiösen, Spirituellen nimmt zu auch der Wunsch nach Familie als Orientierungspunkt. Digitalisierung erhöht auch die Sehnsucht nach einer Rückbindung zum Analogen.

12.34: Bundesinnenminister Friedrich stellt auch die Frage. Wer ist im digitalen Zeitalter eigentlich der Nächste mit Verweis auf eine Frage aus dem Vatikan. Das Netz, sagt er, verändert soziale Strukturen auch.

12:31: Friedrich betont die Möglichkeiten der Digitalisierung. Alles mache man über das Netz: Reise buchen, Informationen und auch soziale Kontakte. Mit der ganzen welt kann man in Kontakt treten. Aber heute könne man sich auch aussuchen, wen will ich, wenn nicht. Wer bleibt bei Facebook Freund, wer nicht. Früher sei es schwieriger gewesen, sich die Freunde in der Straße auszusuchen.

12:30: CDU und CSU haben Angriffe der Extremisten aus allen Richtungen auf die Mitte abgewehrt. Sie stemmt sich gegen gottlose Gewalt.

12:27: Umfragen nach der Wiedervereinigung haben laut Friedrich Freiheit ganz oben auf der Liste gehabt, wenige Jahre später ist in Umfragen die Gleichheit wichtiger als die Freiheit. "Das hat mich aufgerüttelt." Aufgabe Politische Bildung, was Freiheit bedeutet.

12:25: "Die letzten Tage haben gezeigt, wie sehr unsere Freiheit unsere Art zu leben, miteinander umzugehen gefährdet ist. Und wie zerbrechlich unsere Freiheit auch ist.

12:24: Friedrich: "Die politische Betätigung muss heute im Netz stattfinden."

12:17: Jetzt ist Hans-Peter Friedrich eingetroffen und er beginnt seine Grundsatzrede zu den Auswirkungen der Digitalisierung.

12:05: "Es geht um das Internet", sagt Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Eröffnung des Demokratiekongress. Kein Medium habe die Menschen so beeinflusst wie das Internet, sagt er. Ihm und dem Kongress geht es um: "Es geht um Kommunikation, Interaktion, Partizipation". Pöttering geht auf die Grundzüge der Demokratie ein und die Notwendigkeit von Wissens- und auch Meinungsvermittlung. Pöttering geht auf die Revolution in der arabischen Welt ein und verweist auf das Netz als wichtiges Medium dieser Revolution. Pöttering, Ex-Präsident des Europäischen Parlaments, sieht das Netz als Chance zur Teilhabe - in Debatten, Parteien, Bürgerbewegungen. Und das überall und zu jeder Zeit.

12:03: Hans-Gert Pöttering, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments und nun Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung hat den Kongress eröffnet. Die Auswirkungen der Digitalisierung auf unterschiedliche Gesellschaftsbereiche stehen im Zentrum. Mit dabei sind unter anderem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Netzaktivist Jeff Jarvis.

12:00: Der "Demokratiekongress 2011" der Konrad-Adenauer-Stiftung steht unter dem Motto "Digitale (Un-)Kultur und Demokratie" und findet in Adlershof statt. Dort diskutieren den ganzen Tag Experten aus Politik, Medien und Politischer Bildung über die diversen Folgen der Digitalisierung. Mit dabei Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

Er hat bereits vorab auf tagesspiegel.de ein paar seiner Kernpunkte erläutert. So hat die Digitalisierung seiner Meinung nach positiven Einfluss auf die Stärkung traditioneller Strukturen - so auch der Familienstrukturen, weil Opa jetzt mit seinen Enkeln skypen kann.

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