Politik : Liberaler Manager gesucht In der FDP tobt der Führungskampf – 

Röslers Truppe verwechsle Wettbewerb mit Chaos, sagen Kritiker

von

Berlin - Gut eine Woche vor dem mit Spannung erwarteten Wahlparteitag der FDP droht der seit Tagen anhaltende Machtkampf in der Parteispitze nun auch den designierten Vorsitzenden Philipp Rösler selbst zu beschädigen. Angesichts der Querelen um die Zukunft von Parteivize und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und die Führung der Bundestagsfraktion wird dem künftigen FDP-Chef vorgehalten, die Besetzung wichtiger Führungspositionen in Partei und Fraktion nicht in ausreichendem Maße zu steuern. Er erwecke dadurch den Eindruck, sich nicht zuzutrauen, ein eigenes Wunschteam zu benennen und gegen eventuelle Widerstände zu verteidigen, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Die junge Spitzengruppe um Rösler verwechsele offenbar „Wettbewerb mit Chaos“, klagte am Donnerstag ein Vorstandsmitglied über die seit Tagen in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streitigkeiten um die Zukunft von Brüderle.

Rösler selbst hatte Anfang April in Aussicht gestellt, sein Führungsteam für die Partei nach Ostern zu benennen. Am Anfang der Woche jedoch entschied er überraschend, sich erst kommenden Donnerstag, also unmittelbar vor Parteitagsbeginn, zu Personalfragen zu äußern. Generalsekretär Christian Lindner verteidigte diesen Schritt mit der Aussicht auf einen Kandidatenwettbewerb. Hinter den Kulissen war allerdings da schon seit Tagen zu beobachten, dass das junge Führungstrio um Rösler Brüderle loswerden wollte – was jedoch ganz offensichtlich nicht gelang.

Seither sieht sich der stellvertretende FDP-Vorsitzende Brüderle der mehr oder weniger offenen Drohung durch das Trio um Rösler ausgesetzt, er werde sein Ministeramt verlieren, sollte er beim Parteitag erneut für das Vize-Amt kandidieren und dort unterliegen. Untermauert wird diese Drohung durch die Ankündigung einer Kampfkandidatur des nordrhein-westfälischen FDP-Chefs Daniel Bahr gegen Brüderle. In einem solchen Fall würden die Parteitagsdelegierten gezwungen, sich in einem offenen Schlagabtausch für den jungen Bahr oder den erfahrenen Brüderle zu entscheiden. Denn für die beiden dann noch verbleibenden Vize-Posten sind bereits Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und – neuerdings auch dazu bereit – der sächsische Landeschef Holger Zastrow gesetzt.

Einer solch offenen Schlacht, bei der der insbesondere im Süden des Landes, aber auch darüber hinaus in Wirtschaftskreisen, beliebte Wirtschaftsminister Brüderle nur beschädigt hervorgehen kann, wird allerdings in der Partei mit Bangen entgegengesehen – und vom designierten Parteichef daher erwartet, dass er sie verhindert.

Ebenso unklar ist momentan, ob Fraktionschefin Birgit Homburger ihr Amt behalten wird. Sollte sie am Samstag nicht mehr zur Landeschefin in Baden-Württemberg gewählt werden, stehe ein Abschied in Berlin nicht infrage, hieß es. Aber auch für den Fall einer Bestätigung sei ihre Zukunft an der Fraktionsspitze nicht gesichert, hieß es. Hierfür werden die Namen des Rösler-Vertrauten Bahr genauso wie der des Haushälters Otto Fricke genannt. Auch hier hat Rösler, selbst nicht Fraktionsmitglied, bisher keinerlei Präferenzen durchblicken lassen.

Als nicht gerade eleganter personalpolitischer Zug des Rösler-Trios wird auch die Nennung der rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Elke Hoff für das FDP-Vizeamt betrachtet. Anfang der Woche hieß es, Rösler fordere die Landesverbände auf, mehr Frauen zur Kandidatur zu bewegen, worauf keine Resonanz zu vernehmen war. Gleichzeitig wurde aber, ganz offensichtlich aus Röslers Umfeld, der Name Hoff genannt, was insbesondere in Rheinland-Pfalz zu Verstimmungen führte. Ganz abgesehen davon, dass mit Hoff niemand ein Wort gesprochen hat, weshalb die Abgeordnete nun wie eine nicht ernst gemeinte Quotenfrau dasteht, wird ihre Nennung in Mainz insbesondere als Versuch der Rösler- Truppe verstanden, Zwietracht in Brüderles Landesverband zu säen. Einem Landesverband, der am Samstag Volker Wissing zum neuen Landeschef wählen will. Noch einer, der sich angesichts des personalpolitischen Durcheinanders vom neuen Parteivorsitzenden Rösler zumindest übergangen fühlen darf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar