Lob für Integrations-Anstrengungen : Muslime bedauern Wulffs Rücktritt

Christian Wulff habe "sehr viel für die Integration getan" und sich "Respekt verdient", sagen Vertreter muslimischer Verbände. Mancher bedauert den Rücktritt Wulffs, der eine "politische Integrationsfigur" gewesen sei.

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Lob für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff kommt von Vertretern muslimischer Verbände.
Lob für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff kommt von Vertretern muslimischer Verbände.Foto: dpa

„Lasst unseren Bundespräsidenten in Ruhe!“ titelte kurz vor Weihnachten Ekrem Senol, Initiator des Online-Magazins „Migazin“. Christian Wulff sei ein Bundespräsident, der zum ersten Mal „uns allen gehört“, schrieb Senol. Auch nach dessen Rücktritt legt Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, die Betonung auf „unseren“ Bundespräsidenten. Wie andere Vertreter muslimischer Verbände bedauert Kolat den Rücktritt. Nach Johannes Rau habe Wulff als höchster Repräsentant Deutschlands „sehr viel für die Integration und das Verständnis getan“ und sich „Respekt verdient“.

Wulff sei in seinem Amt eine „politische Integrationsfigur“ gewesen, sagte Kolat dem Tagesspiegel am Sonntag. Er habe in seiner Amtszeit Maßstäbe für die Integrationspolitik gesetzt. „Er hat Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden“, sagte Kolat.

Drei Monate nach seinem Amtsantritt hatte Wulff in seiner Rede am 20. Jahrestag der Deutschen Einheit 2010 in Bremen Einwanderer in Deutschland eindringlich zur Integration aufgefordert, die Deutschen zugleich zu Offenheit und Toleranz ermahnt. „Vielfalt schätzen, Risse in unserer Gesellschaft schließen“ sei die Aufgabe der Einheit, sagte Wulff damals. Das stärkste Signal an Muslime in Deutschland aber sandte Wulff durch seine Aussage, dass der Islam wie das Christen- und das Judentum „inzwischen auch zu Deutschland“ zähle.

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Wer kann Wulffs Nachfolger werden?
Joachim Gauck: Die SPD spricht sich für ihn aus, ebenso wie die FDP. Die Union will diesen Vorschlag aber nicht akzeptieren.Was für ihn spricht: Der Gegenkandidat Wulffs 2010 war von Rot-Grün vorgeschlagen worden, beeindruckte mit seinem unabhängigen Lebensweg und seiner rhetorischen Kraft aber auch Union und FDP. Der bald 72-jährige Theologe hat bewiesen, dass demokratische Leidenschaft auch ohne Parteizugehörigkeit wirken kann. Was gegen ihn spricht: Wenig. SPD und Grüne würden Gauck trotz seiner kritischen Äußerungen zur bankenkritischen "Occupy"-Bewegung wieder wählen. Union und FDP könnten versucht sein, mit einem eigenen Kandidaten Handlungsfähigkeit zu beweisen.Weitere Bilder anzeigen
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19.02.2012 09:12Joachim Gauck: Die SPD spricht sich für ihn aus, ebenso wie die FDP. Die Union will diesen Vorschlag aber nicht akzeptieren.Was...

Kolat erinnerte auch an den letzten Staatsbesuch von Wulff in Italien. Vor Studenten in Mailand sagte Wulff, die EU-Staaten hätten der Türkei Aufnahmegespräche angeboten und müssten diese nun auch „offen und fair“ führen. Eine Beitrittsperspektive sei deshalb wichtig, weil die Türkei zu den wenigen Demokratien mit überwiegend muslimischer Bevölkerung zähle. Bundeskanzlerin Angela Merkel will der Türkei lieber eine privilegierte Partnerschaft anbieten.

„Ich erwarte, dass der Nachfolger von Wulff sich ebenso für Integration einsetzt“, betonten Kolat und Bekir Alboga, Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland. Zum Rat gehören der staatlich-türkische Islamverband Ditib, der Verband der islamischen Kulturzentren sowie der Islam- und Zentralrat der Muslime in Deutschland. Rund 2400 von insgesamt 2500 Moscheegemeinden werden vom Koordinationsrat vertreten. In Deutschland leben derzeit zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime.

Bekir Alboga kennt Wulff schon mehrere Jahre. „Er schaffte eine freundschaftliche Atmosphäre, in der der gesellschaftliche Zusammenhalt stärker gedeihen kann“, sagt er. Wulff habe immer den Eindruck hinterlassen, dass er hinter den von ihm propagierten Werten wie Demokratie und Willkommenskultur stehe. „Wulffs Botschaften waren für Deutschland gut.“ Vor kurzem bezeichnete Alboga die Kritik an Wulff noch als „politische Intrige“. Zu dieser Aussage stehe er nach dessen Rücktritt nun nicht mehr.

Lobende Worte über Wulff hörte man auch von Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Der eingeschlagene Weg der Integration müsse durch Wulffs Nachfolger fortgesetzt werden. „Ich setze darauf, dass dieser oder diese dann auch für alle Deutschen sprechen wird, also auch für die Muslime“, sagte Mazyek als Vertreter von 22 muslimischen Dachorganisationen den „Deutsch-Türkischen Nachrichten“.

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