Politik : Losgesagt vom Dschihad

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Berlin - Drei hoch gerüstete Polizisten im Saal, die Gesichter vermummt mit Sturmhauben, dazu reichlich Justizwachtmeister – im Berliner Prozess gegen Alican T. (21), einen mutmaßlichen Unterstützer islamistischer Terrorgruppen, war am Mittwoch ein „prominenter“ Zeuge geladen. Ein Spezialkommando brachte Daniel Schneider, Ex-Mitglied der Sauerlandgruppe, per Hubschrauber aus der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken in den alten Justizpalast in Moabit, wo sich der Ex-Terrorist vor dem 1. Strafsenat des Kammergerichts äußern sollte. Das tat der 25-Jährige dann auch.

Für ihn gibt es keine Zweifel, dass die usbekische Terrororganisation „Islamische Dschihad Union“ existiert. Die Verteidiger von Alican T. hatten Vermutungen vorgebracht, die Dschihad-Union könnte ein Konstrukt des usbekischen Geheimdienstes sein. Die Dschihad-Union hatte die Sauerlandgruppe dirigiert, die in Deutschland schwere Anschläge verüben wollte.

Die Bundesanwaltschaft hält T. vor, er habe im Internet mit Videos und Audiobeiträgen von Dschihad-Union und Al Qaida um Mitglieder oder Unterstützer für die Vereinigungen geworben. Außerdem soll T. der Dschihad-Union und der Gruppierung „Deutsche Taliban Mudschahedin“ finanziell geholfen haben. Der Angeklagte hatte in der vergangenen Woche ein Geständnis abgelegt.

Die Befragung von Schneider, 14 Monate nach dem Urteil im Düsseldorfer Prozess gegen ihn und drei weitere Mitglieder der Sauerlandgruppe, gewährte Einblicke in die Mentalität eines deutschen Ex-Dschihadisten. Der zu zwölf Jahren Haft verurteilte Konvertit will „mit dem Dschihad und jeglicher Gewalt im Namen einer Religion nichts mehr zu tun haben“. Er betonte auch, er fühle sich „absolut nicht“ an den Treueeid gebunden, den er einst in Pakistan dem Anführer der Dschihad- Union geschworen hatte. Schneider konzentriert sich derzeit auf sein Fernabitur. Frank Jansen

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