Lothar Bisky : "Ich würde es bedauern, wenn Bartsch nicht antritt"

Der frühere Linken-Vorsitzende Lothar Bisky über den Machtkampf um die künftige Führung der Partei, die Bedingungen Oskar Lafontaines, die Piraten und seinen griechischen Freund Alexis Tsipras.

von und
Foto: Mike Wolff TSP

Herr Bisky, ist es mal wieder Zeit für einen Wutausbruch?

Ja. Es droht uns ja offenbar, dass wir in Personalquerelen unsere Kräfte vergeuden. Wir müssen aber mit Inhalten in die Öffentlichkeit, sonst geht es weiter bergab.

Zuletzt waren Sie so empört, als Dietmar Bartsch vor zwei Jahren auf Druck von Oskar Lafontaine seinen Posten als Bundesgeschäftsführer räumen musste. Erinnert Sie der Streit um die Parteispitze heute an den Machtkampf von damals?
Es geht jetzt um eine ganz seriöse Frage: Wer wird Vorsitzender? Ich bin für Bartsch. Mit ihm und Lafontaine haben wir zwei ehrwürdige Kandidaten, vielleicht kommen ja noch andere hinzu. Zwei Kandidaten sind eine Bereicherung des Parteilebens und kein Problem. Der Parteitag in Göttingen Anfang Juni wird dann entscheiden. Und ich bin zuversichtlich, dass er richtig entscheidet.

Müssen sich die beiden Kontrahenten Lafontaine und Bartsch versöhnen, um die Linke zu retten?

Ich habe häufig beklagt, dass ich bei Wahlen keine Gegenkandidaten hatte. Das habe ich immer als Verlust gesehen. Wir haben doch Demokratie gewollt – nun haben wir sie.

Lafontaine will ausdrücklich keine Kampfkandidatur. Er will nur zur Wahl antreten, wenn Bartsch verzichtet.

Ich glaube nicht, dass Lafontaine einen Rückzug erzwingen kann. Das ist einzig und allein eine Entscheidung von Bartsch. Unser Statut ist eindeutig: Wenn jemand sagt, er kandidiert, dann kandidiert er. Und wenn nun – weiß der Deibel wer, Großvater, Oma, Tante, Frau, Kinder oder auch Parteimitglieder – jemanden von einer Bewerbung abbringen möchten, mag er oder sie das versuchen. Ich weiß nicht, ob das in diesem Fall erfolgreich ist. Ich würde es jedenfalls bedauern, wenn Bartsch nicht antritt. Jetzt sind beide im Ring.

Der amtierende Parteichef und Lafontaine-Vertraute Klaus Ernst sagt, in einer Urabstimmung unter den Mitgliedern hätte Lafontaine eindeutig die besseren Chancen. Glauben Sie das auch?

Nein. Beide hätten Chancen. Es gibt keinen eindeutigen Favoriten.

Und auf dem Parteitag in Göttingen?

Auch dort hätten beide gute Chancen.

Was zeichnet Lafontaine aus?

Ich habe als Parteivorsitzender zwei Jahre lang gut und fair mit ihm zusammengearbeitet. Das ist also möglich mit ihm.

Was spricht für Bartsch?

Schon mal die andere Generation. Und er hat bewiesen, dass er die Partei zusammenhalten kann. Er war viele Jahre Bundesgeschäftsführer und hat beim Aufbau und bei der Entwicklung der Partei ganz hervorragende Verdienste. Auch die Linke entwickelt sich doch nicht von allein. Gerade von ihrem Innenleben versteht Bartsch ganz besonders viel.

Ist es vermessen, wenn Lafontaine seine Kandidatur an Bedingungen knüpft? Er fordert ein passendes personelles Umfeld und ist gegen eine Kampfkandidatur.

Oskar Lafontaine wird seine Gründe haben, wenn er Bedingungen nennt. Zwingend ist dieses Vorgehen nicht. Mehr mag ich dazu nicht sagen.

Die stellvertretende Vorsitzende Katja Kipping macht für den Showdown nicht nur Lafontaine verantwortlich, sondern auch Bartsch. Wäre nicht ein dritter Weg mit ganz anderen Kandidaten wünschenswert?

Der dritte Weg ist immer der edle, der bessere und der tolle Weg. Und keiner geht ihn.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben