Update

Luftverkehr : USA und Großbritannien erlassen Laptop-Verbot für Handgepäck

Wegen Terrorgefahr im Luftverkehr: Auch die britische Regierung will auf Flügen aus dem Nahen Osten Laptops im Handgepäck verbieten.

Aus Angst vor Terroranschlägen wird auch die britische Regierung die Mitnahme von Laptops im Handgepäck einschränken.
Aus Angst vor Terroranschlägen wird auch die britische Regierung die Mitnahme von Laptops im Handgepäck einschränken.Foto: Frank Leonhardt/dpa

Die USA und Großbritannien haben aus Furcht vor Anschlägen die Mitnahme von Laptops auf Flügen aus der Türkei und mehreren Ländern des Nahen Ostens verboten. Das am Dienstag in Washington verkündete Verbot betrifft Passagiere, die von zehn Flughäfen in acht Ländern auf direktem Weg in die USA fliegen - darunter die wichtigen Drehkreuze Istanbul und Dubai. Das britische Verbot gilt für Direktverbindungen aus sechs Ländern.

Ein US-Regierungsvertreter begründete das Verbot, das zeitlich nicht befristet ist, mit Erkenntnissen der Geheimdienste. Diese deuteten darauf hin, dass Extremisten versuchen könnten, Sprengsätze in Elektronikgeräten an Bord zu schmuggeln. "Terrorgruppen haben nach wie vor die zivile Luftfahrt im Visier und arbeiten aggressiv an neuen Methoden, wie sie ihre Anschläge ausführen können", sagte er. Das Verbot bezieht sich auf Geräte, die größer sind als Smartphones - also etwa Laptops, Tablet-Computer, Spielekonsolen und Kameras. Diese müssen künftig beim Einchecken mit dem Gepäck abgegeben werden. Mobiltelefone dürfen weiter mit an Bord genommen werden, ebenso dringend benötigtes medizinisches Gerät.

Die US-Luftfahrtbehörde gab den neun betroffenen Fluggesellschaften von Dienstagfrüh an 96 Stunden Zeit, das Verbot umzusetzen. Für die Einhaltung der neuen Vorschrift sind die Airlines selbst verantwortlich; bei Versäumnissen könnten ihnen die Landerechte in den USA entzogen werden. US-Fluglinien werden von der Maßnahme nicht berührt, weil sie keine Direktflüge zwischen den zehn betroffenen Flughäfen und den USA anbieten. Neben Istanbul und Abu Dhabi handelt es sich dabei um Dubai, Doha, Kuwait, Casablanca, Kairo, Riad, Dschiddah und Amman. Betroffen sind die Fluglinien Qatar Airways, Emirates, Etihad, Turkish Airlines, Saudi Airlines, Royal Air Maroc, EgyptAir, Kuwait Airways und Royal Jordanian.

Auch die US-Demokraten unterstützen das Laptop-Verbot

Die Geheimdiensterkenntnisse seien gründlich geprüft worden, und das Verbot sei nötig, "um die Sicherheit der reisenden Öffentlichkeit zu gewährleisten", sagte der Regierungsvertreter. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt Einreiseverbote für Bürger aus mehreren mehrheitlich muslimischen Staaten verhängt, die jedoch zwei Mal von Gerichten gestoppt wurden.

Das Laptop-Verbot stieß auch bei den oppositionellen Demokraten auf Zustimmung. Adam Schiff, demokratisches Mitglied im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, sagte, das Verbot habe seine "volle Unterstützung". "Diese Maßnahmen sind sowohl notwendig als auch der Bedrohung angemessen", sagte Schiff. Die Türkei kritisierte das Laptop-Verbot, von dem die Fluggesellschaft Turkish Airlines betroffen ist. Verkehrsminister Ahmet Arslan sagte, die Anweisung müsse noch einmal überarbeitet oder ganz zurückgenommen werden.

Am Nachmittag gab auch die britische Regierung ein entsprechendes Verbot bekannt. Betroffen davon sind Flugreisende, die direkt aus Ägypten, Jordanien, dem Libanon, Saudi-Arabien, Tunesien oder der Türkei nach Großbritannien reisen. Das Verbot gilt für sechs britische Fluggesellschaften, darunter British Airways und EasyJet, sowie acht ausländische Airlines. Während Jordanien und der Libanon nicht auf der US-Liste sind, stehen auf der britischen Liste nicht Marokko, Katar und die Emirate.

Deutsche Behörden wollen Regeln nicht verschärfen

Der Entscheidung seien mehrere Sitzungen zur Luftsicherheit in den vergangenen Wochen vorausgegangen, die von Premierministerin Theresa May geleitet wurden, sagte ein Regierungssprecher in London. "Oberste Priorität" sei "die Sicherheit der britischen Staatsbürger. London sei in engem Kontakt mit den US-Behörden gewesen, "um ihre Position vollständig zu verstehen" und habe die Entscheidung nach gründlicher Überlegung getroffen.

Auch die kanadische Regierung denkt über ein entsprechendes Verbot nach. Verkehrsminister Marc Garneau sagte, den kanadischen Behörden seien Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt worden, die nun genau geprüft würden. Er werde über die möglichen Bedrohungen mit Innenminister Ralph Goodale beraten. Deutschland will zur Zeit keine neuen Verbote für die Mitnahme von Handgepäck in Flugzeugen erlassen, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage mitteilte. (AFP)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

4 Kommentare

Neuester Kommentar