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Marina Weisband : Hoffnungsträgerin der Piratenpartei zieht sich zurück

Die Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, will nicht mehr für den Bundesvorstand der Piratenpartei kandidieren. Das erklärte sie am Mittwoch auf der Homepage des Vorstands.

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Braucht eine Pause: Marina Weisband, Noch-Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei.
Braucht eine Pause: Marina Weisband, Noch-Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei.Foto: dpa

Die wichtigste Frau der Piraten will nicht mehr. Wie Marina Weisband, derzeitige Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei, auf der Homepage des Bundesvorstands mitteilte, werde sie beim kommenden Bundesparteitag Ende April in Neumünster „aller Wahrscheinlichkeit nach nicht“ erneut für ein Amt kandidieren. „Der Grund ist, dass ich es in letzter Zeit gesundheitlich nicht schaffe, euch ein so zuverlässiger Bundesvorstand zu sein, wie ihr es verdient“, so Weisband in dem kurzen Text an die Parteimitglieder. „Ich muss neben der Parteiarbeit ja auch mein Diplom stemmen. Das ist für eine Person zu viel.“ Sie plane, „ein Jahr Pause“ zu machen. Dies bedeute jedoch keinen Rückzug aus der inhaltlichen Arbeit in der Partei, die ihr ein „Herzensprojekt“ sei.

Damit verlässt die vielleicht bedeutendste Hoffnungsträgerin der Partei die Brücke: Weisband hatte beim Bundesparteitag der Piraten in Offenbach im Dezember eine umjubelte Rede gehalten und avancierte spätestens damit auch zum Liebling der Medien: "Spiegel Online" nannte sie "die treibende Kraft", andere sahen in der 2009 beigetretenen Weisband den "neuen Star der Piratenpartei". "bild.de" widmete der "schönsten Piratin", die seit November für "faz.net" auch weit abseits der Politik bloggt, gar eine Fotostrecke. Weisband, die speziell in ihrem Auftreten im Netz die Grenzen zwischen Privatperson, Künstlerin, philosophischer Dilettantin und politischer Akteurin immer wieder mutwillig verwischt, hat das, was den Piraten sonst oft abgeht: Star-Potenzial, weibliches zumal.

Parteikollegen reagierten am Mittwoch dementsprechend mit Bedauern auf den Rückzug der charismatischen 24-jährigen. „Marina hatte eine große Akzeptanz in der Partei, die dem gesamten Bundesvorstand immer sehr geholfen hat“, sagte der Bundesvorsitzende der Partei, Sebastian Nerz, dem Tagesspiegel. Auch in der Öffentlichkeit habe Weisbands Art, als Politikerin und zugleich als Mensch aufzutreten, viel Positives für die Piraten bewirkt. Ähnlich äußerte sich Andreas Baum, Vorsitzender der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. „Es ist schade, aber auch wichtig, so einen Schritt zu wagen“, so Baum gegenüber dem Tagesspiegel. Für die Partei selbst sei es indes gut, „zu sehen, dass man auch wechseln kann“.

Weisband selbst gab sich am Mittwoch ironisch ob des Wirbels um ihre Person: "Heute ist der einzige Tag, an dem '24-jährige will Diplomarbeit schreiben' eine Schlagzeile ist", schrieb sie am Abend auf Twitter und betonte: "Was die Medien nicht verstehen: Durch meinen Beitritt zur Basis baue ich meine Machtposition viel weiter aus. ;)" Zweiflern an der Gültigkeit ihrer Entscheidung trat sie derweil bestimmt entgegen: "Je mehr Zeit vergeht, desto sicherer bin ich mir, dass Pause das einzig richtige ist", schrieb sie an den Berliner Piratenabgeordneten Christopher Lauer.

Was neben Weisbands Absage da fast ein bisschen unterging, waren die zeitgleich veröffentlichten Zu- und Ansagen ihrer Vorstandskollegen bezüglich einer erneuten Kandidatur für den Bundesvorstand. So bekräftigten ebenfalls am Mittwoch sowohl Sebastian Nerz als auch der Berliner Bernd Schlömer, derzeit stellvertretender Bundesvorsitzender, für das Amt des Bundesvorsitzenden kandidieren zu wollen – und im Zweifel auch für den jeweils anderen als Stellvertreter zur Verfügung zu stehen. Eine Notwendigkeit, ein anderes weibliches Mitglied der männerdominierten Partei als potenzielles Vorstandsmitglied starkzumachen, sieht zumindest Sebastian Nerz indes nicht: "Es ist nach wie vor nicht sinnvoll, Posten nach Geschlecht zu besetzen." Der Berliner Fraktionsvorsitzende Andreas Baum teilt diese Einschätzung. Weisbands Ausscheiden sei jedoch „eine Einladung an alle Frauen, zu kandidieren“.

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