Martenstein zur Bundestagswahl : Auf keinen Fall für die eigene Partei stimmen

Das ist das Kreuz mit dem Kreuz: Am 24. September sollte man tunlichst vermeiden, die Lieblingspartei zu wählen. Eine Polemik.

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Am 24. September entscheiden die Deutschen über den neuen Bundestag.
Am 24. September entscheiden die Deutschen über den neuen Bundestag.Foto: dpa

Das Besondere an dieser Bundestagswahl besteht darin, dass überzeugte Anhänger einer Partei auf keinen Fall die Lieblingspartei wählen dürfen. Traditionelle CDU-Wähler dürften bemerkt haben, dass Angela Merkel die CDU in eine neue SPD verwandelt hat. Martin Schulz hat beim Rededuell mit Merkel sichtbar mit der Frage gerungen, ob er nicht seinen Übertritt erklären soll.

Wer als CDU-Anhänger diese Partei wählt, sorgt dafür, dass Merkel Kanzlerin bleibt und dass somit auch die letzten Reste von CDU aus der CDU verschwinden. Nur der Name bleibt, ähnlich wie bei den Kühlschränken von der AEG, die in Wirklichkeit von Elektrolux kommen. CDU-Anhänger müssen SPD wählen, damit ihre Partei in der Opposition wieder zu sich selbst findet.

Die SPD aber würde bei einem passablen Ergebnis wieder in der großen Koalition landen, bei der nächsten Wahl droht dann der totale Untergang. Sozialdemokraten müssen so wählen, dass trotz der großen Lust von Sigmar Gabriel auf das Außenministerium ein Rückweg in die SPD-Zerkleinerungsmaschine GroKo völlig ausgeschlossen ist, also am besten FDP. 19 Prozent SPD, zwölf Prozent FDP, und die SPD ist vor der GroKo gerettet, beim nächsten Mal dann der Sieg.

Wenn die Grünen mit Merkel regieren, gehen sie unter

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass eine Koalition mit Merkel auf die FDP noch vernichtendere Wirkung entfaltet als auf die SPD. Als Merkelkritiker ist Lindner super. In der Regierung etwas durchzusetzen, ist der FDP in ihrer Geschichte aber immer schwer gefallen. Wenn aber die Grünen mit Merkel regieren, dann gehen die Grünen unter. Da hätte die FDP aus der Opposition heraus wirklich einmal etwas erreicht. Deshalb sollten Liberale grün wählen.

Die Grünen sind die engagiertesten Kämpfer gegen Rechts, an einem Scheitern der AfD können die Grünen kein Interesse haben. Das wäre für sie so schlimm, als ob es plötzlich kein einziges Umweltproblem mehr gäbe. Für das Überleben der Grünen ist es wichtig, dass sie endlich das Image der Verbieter- und Miesepeterpartei loswerden, dieses Staffelholz kann man eigentlich nur an die AfD weitergeben. So paradox es klingt: Strategisch ist eine starke AfD genau das, was die Grünen brauchen. Endlich fordern mal andere ständig Verbote.

Ist die AfD rechtsradikal oder konservativ?

Die AfD aber steht im Bundestag vor einem Bruderkampf, der Burgfrieden zwischen den Flügeln wird sofort zerbrechen, in der Fraktion wird es Übertritte, Austritte, Ausschlüsse und Prozesse hageln. Aus Sicht der AfD muss erst mal in Ruhe geklärt werden, was für eine Partei das überhaupt ist, rechtsradikal oder konservativ. Wem es darum geht, dass zumindest einige AfD-Ziele im Parlament professionell vertreten werden, der muss die Linke wählen, der Antiamerikanismus und der sogenannte Antizionismus sind dort in besten Händen.

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