Martenstein zur Bundestagswahl : Gottesanbeterin Merkel müsste mit der AfD koalieren

Wer sich mit der Kanzlerin einlässt, wird bald verspeist. Die SPD kennt das - und präsentiert nur noch Eintagsfliegen. Eine Betrachtung aus der Tierwelt.

Da blättert was ab. Ein Wahlplakat mit dem Bild Angela Merkels in Bonn.
Da blättert was ab. Ein Wahlplakat mit dem Bild Angela Merkels in Bonn.Foto: Reuters/Wolfgang Rattay

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre steht fest, dass es eine nahezu sichere Methode gibt, um die AfD wieder unter fünf Prozent zu bringen. Angela Merkel müsste mit der AfD koalieren. Alle Parteien, die mit Merkel koalieren, haben anschließend nämlich eine Nahtod-Erfahrung.

Ein ähnliches Phänomen ist auch im Tierreich zu beobachten, bei der Gottesanbeterin, einer Heuschrecke, die ihren Partner nach der Paarung verspeist. Insofern gibt es in der CDU also doch noch einen christlichen Kern, die Chefin ist Gottesanbeterin. Das nächste Opfer von Merkel dürfte die CSU sein, bei der kommenden Landtagswahl.

Überraschend oder dramatisch fand ich das Wahlergebnis vom vergangenen Wochenende nicht. Der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien ist ein internationaler Trend, zu beobachten in zahlreichen Ländern. Die Prozentzahlen für Anti-Establishment-Politiker sind in den USA, Frankreich, Österreich oder Skandinavien um einiges höher als bei uns.

Die meisten AfD-Wähler, etwa zwei Drittel, wollten mit ihrer Stimmabgabe vor allem ihrem Ärger über die Grenzöffnung im Herbst 2015 Ausdruck verleihen. Man muss kein Rassist und kein Nationalist sein, um diese einsame Entscheidung von Angela Merkel kritisch zu sehen.

Die Gottesanbeterin ist das Insekt des Jahres 2017.
Die Gottesanbeterin ist das Insekt des Jahres 2017.Foto: Uli Deck/dpa

60 Prozent der deutschen Bevölkerung, mit und ohne Migrationshintergrund, sehen es so. Aber nur knapp 13 Prozent haben AfD gewählt. In Frankreich oder Großbritannien wäre das Ergebnis dramatischer ausgefallen. Und die Zahlen der CDU würden vermutlich nicht ganz so hässlich aussehen, wenn Merkel nicht herumgeeiert hätte. Wer sagt, dass so etwas sich „nicht wiederholen“ darf, sich aber gleichzeitig weigert, Fehler einzugestehen, wirkt nicht vertrauenerweckend. Merkel hat in ihrer Kanzlerschaft einen atemberaubenden Zickzackkurs gefahren, aber wie sie denkt, weiß man als Wähler halt immer noch nicht genau, das ist Staatsgeheimnis. Fest steht nur eins: Sie will regieren.

Die Sozis bieten leider einen noch traurigeren Anblick. Willy Brandt war 1961 Spitzenkandidat und ist gescheitert. 1965 hat die SPD ihren Willy ein zweites Mal ins Rennen geschickt, er scheiterte wieder. Erst 1969, beim dritten Anlauf, wurde er Kanzler. Die SPD von heute hat dagegen drei Mal Einwegkandidaten präsentiert, Methode „try and error“. Erst Frank-Walter Steinmeier, dann Peer Steinbrück, jetzt Martin Schulz. Monatelang hat man den Wählern eingehämmert, wie großartig diese Männer doch seien. Aber nach der ersten Niederlage waren sie in ihrer Partei erledigt, zumindest als Kanzlerkandidaten, Steinmeier und Steinbrück hatten auch keine Lust mehr.

Also, die CDU stellt seit Jahren eine Gottesanbeterin auf, und die SPD präsentiert als Alternative eine Eintagsfliege. Da ist wohl klar, wer wen frisst.

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