Matthies meint : Ein Wort zu Flüchtlingen und Oktoberfest

Kann man Flüchtlingen aus dem Nahen Osten den Anblick von Bierkonsum, Schweinshaxn und Dirndln zumuten? Warum wohl wurde die Grenze vor dem Oktoberfest geschlossen? Eine Glosse.

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Frauen im Dirndl trinken in einem Festzelt auf dem Oktoberfest in München Bier.
Frauen im Dirndl trinken in einem Festzelt auf dem Oktoberfest in München Bier.Foto: dpa

Irgendwie ist Bayern zu einer Schlüsselregion der Massenflucht geworden – aber das hat Innenminister Joachim Herrmann ja schon vor zwei Wochen gesagt.

Als er nämlich besorgt darauf hinwies, dass München einmal jährlich schon von sich aus zur Katastrophenregion wird, wenn die Anhänger des Biertrinkens in riesigen Strömen am Hauptbahnhof eintreffen, um sich sogleich im Schutz riesiger Zelte bis zu den Ohren volllaufen zu lassen.

Und nun die Flüchtlinge. Herrmann ist ein sensibler Mensch. Er hat sofort die Konsequenzen des Zusammentreffens zweier divergierender Menschenströme gesehen und wusste, für wen sein Herz schlägt: Man könne den sensiblen, traumatisierten Menschen aus dem Nahen Osten, Muslime allzumal, den Anblick desorientierter Betrunkener in der Öffentlichkeit schlicht nicht zumuten, sagte er.

Nicht gesagt, aber gedacht hat er vermutlich zusätzlich, dass zur Wiesn auch der Verzehr gebratenen Schweinefleischs gehört und dass das festtypische Dirndl, nun ja, förmlich dazu konzipiert ist, bestimmte weibliche körperliche Vorzüge herauszustellen – alles Dinge, die als ebenso unmuslimisch gelten dürfen wie freizügiger Bierkonsum.

Nimmt man ferner hinzu, dass in München Mitte September durchaus noch Populationen nackter Menschen auftreten, und zwar in ihrem bevorzugten Biotop, dem Englischen Garten – dann ist sonnenklar, dass die Stadt für die Aufnahme nahöstlicher Flüchtlinge einfach nicht geeignet ist.

Bernd Matthies.
Bernd Matthies.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Mitte Januar vielleicht, wenn die muslimschädliche Weihnachtszeit vorbei ist, oder in der haxnfreien Fastenzeit, da ließe sich eventuell was machen. Eventuell! Oder wenn demnächst die Dänen flüchten, ja mei, die sind einwandfrei kompatibler, was Bier und das alles angeht.

Die Konsequenzen von Herrmanns Warnung sind indessen noch unklar. Eine Absage des Oktoberfests mit Umnutzung der Zelte für Flüchtlinge wird offenbar nicht erwogen, und auch die Umstellung auf Döner, Ayran und Kopftuch ist sehr unwahrscheinlich. Aber wie wäre es mit einer Schließung der Grenzen während des Oktoberfests?

Wie? Schon passiert? Ach, Politik kann manchmal so einfach sein. Die geschützten Flüchtlinge werden Herrmann diese Sensibilität sicher danken.

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