Matthies meint : Radfahrer, Vegetarier, Marxisten

Was immer die Kanzlerin zur Energiewende trieb, das kommunistische Manifest war es sicher nicht. Bernd Matthies widerlegt den neuen polnischen Außenminister - und verabschiedet sich ins Funkloch. Eine Glosse.

Polens Außenminister Witold Waszczykowski fällt mit einer seltsamen These zur Politik der Linken auf.
Polens Außenminister Witold Waszczykowski fällt mit einer seltsamen These zur Politik der Linken auf.Foto: dpa

Geht’s Ihnen auch so? Ich möchte in solchen Situationen am liebsten in ein entlegenes Funkloch verschwinden und erst wieder rauskommen, wenn das weltweite Gebrause ein wenig abgeebbt ist. Aber das wäre im Grunde sinnlos, weil der jeweils größte mögliche Irrsinn nicht aufs Handy angewiesen ist, um sich zäh im Gedächtnis festzuklammern.

Weit vorn in Sachen Zähigkeit liegt dabei in den vergangenen Tagen zweifellos der Tweet von Jakob Augstein, der uns lakonisch und – die Orthografie – offenbar ein wenig hastig mitgeteilt hat: „Ein paar grabschende Ausländer und schon reisst bei uns Firnis der Zivilisation“. Das dazu zwingend zu Sagende füllt inzwischen einen gewissen Teil der sozialen Netzwerke, und mir fallen nur noch Sachen ein, die zackbumm vor Gericht landen würden. Das ist der Satz auch wieder nicht wert.

Kommen wir also lieber auf den neuen polnischen Außenminister Witold, Moment … Waszczykowski zu sprechen. Er hat zu Wochenbeginn ein Interview benutzt, um indirekt uns Deutschen die Leviten zu lesen – ein saftiges Stück Anti-Diplomatie, wie es selbst unter den notorisch verzankten Europäern nicht alle Tage vorkommt. Die eher liberale Vorgängerregierung in Polen, so analysiert er, habe nämlich „ein bestimmtes linkes Politik-Konzept“ nachgemacht, „als müsse sich die Welt nach marxistischem Vorbild automatisch in nur eine Richtung bewegen – zu einem neuen Mix von Kulturen und Rassen, einer Welt aus Radfahrern und Vegetariern, die nur noch auf erneuerbare Energien setzen und gegen jede Form der Religion kämpfen“.

Gegen Antisemtismus hilft nur Bildung

Flüchtlingszahl sinkt unter „Obergrenze“

An der Grenze zu den Separatisten

Russland verhindert Anschlag - mit Hilfe der CIA

Erdogan will türkische Botschaft in Ost-Jerusalem eröffnen

Bitte, dahinter steckt durchaus ein Konzept. Katholische Autofreaks, die den ganzen Tag Wurst und Steaks essen, den Grill mit Atomstrom befeuern und alle Flüchtlinge ihnen unangenehmer Rassen aussperren, können es heute sicher weit bringen. Aber wieso ist das andere, das deutsche Vorbild, jetzt gleich marxistisch? Hat nicht gerade Lenin den Kommunismus als Sowjetmacht plus Elektrifizierung definiert? Und war es nicht der Anti-Marxist Hitler, der zwar wenig Rad fuhr, aber voll dem Vegetarismus anhing?

Es gibt nun auch genügend Gründe, die Energiewende unserer Kanzlerin extrem voreilig und unbedacht zu finden. Aber was immer sie dazu getrieben haben mag: Das kommunistische Manifest war es ganz sicher nicht.

So viel für heute zum Firnis der Zivilisation. Ich mache am Wochenende doch mal das mit dem Funkloch.

Gefährliches Bündnis in Österreich

Die verschwundene DDR in Berlin

Und plötzlich war alles anders

Hertha BSC überrascht bei RB Leipzig in Unterzahl

Russland verhindert Anschlag - mit Hilfe der CIA

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben