Matthies meint : Warum unser Kolumnist jetzt doch nicht FDP wählt

Er war tatsächlich drauf und dran, FDP zu wählen. Aber da gibt es dann doch noch einen Haken. Oder zwei. Eine Glosse.

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FDP-Chef Christian Lindner schaut in die Sonne.
FDP-Chef Christian Lindner schaut in die Sonne.Foto: dpa

Als alter weißer Mann heteronormativer Prägung habe ich nicht mehr viel zu verlieren. Also kann jetzt auch der Rest auf den Tisch, damit Sie wissen, wofür mir sonst noch Pest und ewige Verdammnis drohen. Erstens: Ich fahre einen Diesel, einen ziemlich neuen sogar, Euro 6. Ich stehe dazu – und kommen Sie mir bitte nicht mit Tesla, den habe ich, dienstlich testend, nach der dritten Ladepause am Alpincenter Wittenberge endgültig abgehakt.

Aber zweitens, jetzt wird es richtig fies: Ich habe tatsächlich erwogen, FDP zu wählen – ganz konsequent an sich, denn die FDP ist ja gewissermaßen der Dieselmotor der deutschen Parteien, was ihren Ruf bei der Bevölkerungsmehrheit angeht. Da gibt es ein paar gute Programmpunkte, ein paar vernünftige Politiker, also: Mehr kann ein Berliner kaum erwarten, der unter Schmerzen von den Fachkräften der Pleitencombo R2G administriert wird.

Und dann noch Sahra Wagenknecht

Nun der dritte Punkt, der meine ausweglose Lage deutlich macht: Ich bin absolut GEGEN den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel. Wenn ich jetzt also trotzdem FDP wähle, dann wird meine Stimme, ob ich will oder nicht, als Zustimmung zu den illusorischen und aberwitzigen Flughafen-Forderungen gezählt, mit denen diese Partei in Berlin schon seit Monaten herumlärmt. Und dass ich im Referendum Sekunden später gegen die Offenhaltung stimme, hilft ja auch nichts. Korrigieren Sie mich: Keiner sagt hinterher der FDP, passt mal auf, der Matthies und ein paar tausend andere Wähler haben da in dieser speziellen Frage eine komplett andere Meinung als ihr.

Ja, es ist eine Bundestagswahl, da geht es um andere Themen. Dachte ich auch. Aber dann hat Christian Lindner plötzlich angefangen, Putin um den Bart zu gehen und beim Umgang mit der Krim-Besetzung so eine Art Neo-Entspannungspolitik vorzuschlagen, womöglich wird er am Ende Außenminister; das neulich war übrigens kein Gewitter, sondern das Rotieren Genschers im Grab. Sahra Wagenknecht fand den Vorstoß gut, mehr muss man dazu wirklich nicht mehr sagen. Ich wähle keine Partei, deren Spitzenkandidat von Sahra Wagenknecht gelobt wird.

Was bleibt? Verdammt wenig. Reicht die Zeit noch, eine Saubere-Diesel-Partei zu gründen?

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