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Mattstedt in Thüringen : Anschlag auf Wohnhaus von CDU-Ortsbürgermeister

Im thüringischen Mattstedt ist ein Anschlag auf das Wohnhaus des CDU-Ortsbürgermeisters verübt worden. Er engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Ministerpräsident Bodo Ramelow sagt: eine "feige, hinterhältige und widerwärtige Tat".

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So präsentiert sich die Gemeinde Ilmtal-Weinstraße, zu der auch Mattstedt gehört, im Internet
So präsentiert sich die Gemeinde Ilmtal-Weinstraße, zu der auch Mattstedt gehört, im InternetScreenshot: Tagesspiegel

In der thüringischen Gemeinde Mattstedt im Nordosten des Landkreises Weimarer Land ist ein Anschlag auf das Wohnhaus des Ortsbürgermeisters verübt worden. Ein Unbekannter schlug mit einem einem Hammer die Scheibe des Küchenfensters ein, um anschließend Pyrotechnik ins Haus zu werfen, berichtete die "Thüringer Allgemeine". Der CDU-Politiker engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Ob das der Hintergrund für die Tat ist, blieb zunächst offen.

Zum Tatzeitpunkt waren die Kinder und die Schwiegermutter des Politikers im Gebäude, Andreas Schuchert selbst sowie seine Frau nicht, berichtete die "Thüringer Allgemeine" weiter. Die Polizei habe zum Tatmotiv bisher keine Anhaltspunkte. Der Kommunalpolitiker sagte dem Blatt, er sei jemand, der seine Meinung auch öffentlich vertrete. Das gefalle sicherlich nicht jedem. Sein Engagement für Flüchtlinge in der Kreisstadt Apolda begründete er so: Etwas für andere, die in Not sind, zu tun, gebiete ihm schon sein christlicher Glauben. In dem sei er verwurzelt.

Dem Sender MDR Thüringen sagte Schuchert, die Gefährdung seiner Kinder sei für ihn unerträglich. Er und seine Familie ließen sich jedoch nicht einschüchtern und keine Angst machen. Er gehe davon aus, dass "in einer zivilisierten Gesellschaft Konflikte und Probleme im Gespräch zu klären" seien. Dafür sei er auch immer offen.

Die Gemeine Ilmtal-Weinstraße, zu der Mattstedt mit seinen rund 500 Einwohnern gehört, hat bisher noch keine Flüchtlinge aufgenommen. Schuchert hält es aber für unproblematisch, wenn in Mattstedt eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen würde. Noch aber gibt es dazu keine Anfrage des Kreises.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow nannte die Tat "feige, hinterhältig und widerwärtig". Er sagte dem Tagesspiegel, der Anschlag zeige erneut, wie systematisch ein Klima der Angst erzeugt werde. "Der Bürgermeister und seine Familie haben unsere volle Solidarität und Unterstützung. Vor diesem Klima der Angst dürfen wir nicht in die Knie gehen. Ich danke der örtlichen CDU für ihr klares Bekenntnis zur Integrationsarbeit in den Gemeinden." Der Ortsteilbürgermeister solle mit dieser feigen Aktion über die Bedrohung seiner Angehörigen eingeschüchtert werden, vermutet der Linken-Politiker. "Dem müssen wir uns als Demokraten gemeinsam entgegen stellen. Die Polizei ermittelt und Schutz wird gemeinsam erarbeitet."

Der Landes- und Fraktionschef der CDU, Mike Mohring, sagte dem Tagesspiegel: "Die Tat muss konsequent aufgeklärt und geahndet werden. Wenn die Übernahme von Verantwortung und ehrenamtliche Ämter zum Risiko für die eigene Unversehrtheit und die der Familie werden, wird die Grundlage des Gemeinwesens untergraben. Es gibt nichts, das Gewalt und Einschüchterung rechtfertigen kann. Die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, auf Wahlkreisbüros, gegen Polizisten und Rettungskräfte, immer hemmungslosere Gewalt bei Demonstrationen sind besorgniserregend."

Der hauptamtliche Bürgermeister von Ilmtal-Weinstraße, Thomas Gottweiss (CDU), sagte dem Tagesspiegel, er hoffe zwar, dass der Anschlag nichts mit dem Engagement des Ortsbürgermeisters für Flüchtlinge zu tun habe. Auszuschließen sei diese Möglichkeit jedoch nicht. Im Landkreis selbst sei die Unterbringung von Flüchtlingen bisher unproblematisch verlaufen, die Asylsuchenden hätten weder in Zelten noch in Turnhallen einquartiert werden müsse. In jedem Fall sei der Anschlag weiterer Beleg für eine "immer stärker enthemmte Gesellschaft".

Auf der Internetseite der Gemeinde schrieb Gottweiss, der Anschlag mache ihn fassungslos und empöre ihn zutiefst. "Dieser feige Angriff, der insbesondere die Kinder der Familie in Gefahr brachte, ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Gemeinde Ilmtal-Weinstraße steht in dieser schweren Stunde fest an der Seite von Andreas Schuchert und seiner Familie. Wir lassen uns nicht einschüchtern!" Nun seien die Ermittlungsbehörden gefragt, die umfassend und zügig den Täter ermitteln müssten. "Der Staat muss auf einen solchen feigen Angriff auf unsere Grundfeste mit aller gebotenen Härte reagieren!"

Im sachsen-anhaltischen Tröglitz war der parteilose Ortsbürgermeister Markus Nierth im vergangenen Frühjahr im Streit um die Unterbringung von Flüchtlingen zurückgetreten. Er hatte sich dafür eingesetzt, die NPD wollte vor seinem Wohnhaus demonstrieren. Wenige Wochen später brannte dort die kurz vor der Eröffnung stehende Flüchtlingsunterkunft.

 

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