Politik : Maul- und Klauenseuche: Briten planen Massenkeulung

Die britische Regierung erwägt wegen der Maul-und Klauenseuche (MKS) die vorsorgliche Keulung von bis zu 500 000 Schafen. Dies berichtete die BBC am Montag unter Berufung auf Landwirtschaftsminister Nick Brown. Die Zahl der MKS-Fälle stieg am Montag um fünf auf 169 an. Bei einem ersten Auftreten der Seuche in der südlichen Grafschaft Kent besteht der Verdacht der Übertragung des Virus nicht direkt von Tier zu Tier, sondern durch die Luft.

Während Brown erneut unterstrich, dass die Krise nach seiner Ansicht "unter Kontrolle" ist, geht der Bauernverband NFU davon aus, dass die Zahl der Fälle in dieser Woche rapide ansteigen wird. "Das Problem ist, dass sich das Virus jetzt über das ganze Land ausbreitet" sagte der stellvertretende NFU-Präsident, Ian Gardiner. Am Sonntag waren erstmals die südenglischen Grafschaften Gloucestershire und Kent betroffen worden.

Der irische Minister für Fischerei und Naturressourcen, Hugh Byrne, hatte der britischen Regierung am Sonntag einen "Skandal" im Umgang mit der Seuche vorgeworfen. London habe die Krise "völlig falsch angepackt", sagte Byrne. In Irland und in Frankreich seien im Vergleich viel mehr Vorbeugemaßnahmen getroffen worden, hatte Byrne in einem BBC-Interview erklärt.

Der agrarpolitische Sprecher der Konservativen, Tim Yeo, sprach in Zusammenhang mit der Seuche von einem "nationalen Notstand." Er verlangte den Einsatz der Armee zur Bekämpfung der hochansteckenden Tierkrankheit.

Die unter Verdacht auf Maul- und Klauenseuche getöteten Kälber in der niedersächsischen Region Weser-Ems hatten möglicherweise andere Krankheiten. Untersuchungen bei zwei der getöteten Kälber im Kreis Vechta hätten ergeben, dass die beiden Tiere an einer Pocken-Herpes-Krankheit und an Lungenentzündung erkrankt seien, sagte Niedersachsens Agrarminister Uwe Bartels (SPD) am Montag in Hannover. Diese könnten die Ursache für die bei den Kälbern festgestellten Bläschen im Maul und für das hohe Fieber sein. In Blutproben seien bislang keine Antikörper gegen die Maul- und Klauenseuche gefunden worden. Es sei jedoch zu früh für eine Entwarnung. "Aber es gibt Indizien, die eine andere Richtung andeuten", sagte Bartels. Gewissheit könnten erst am Dienstag und Mittwoch die Ergebnisse von zwei Zellkulturtests im Bundeslabor für Viruserkrankungen in Tübingen geben.

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