Menschen mit Down-Syndrom beleidigt : AfD-Vize in Sachsen tritt zurück

Nach seinen beleidigenden Äußerungen gegen Behinderte ist der sächsische AfD-Vizechef Thomas Hartung von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch auf seine Kandidatur für den sächsischen Landtag verzichtet er.

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Die AfD - hier das Tagungsgebäude ihres Landesparteitages im März - hat gute Chancen, in das Dresdner Landesparlament einzuziehen
Die AfD - hier das Tagungsgebäude ihres Landesparteitages im März - hat gute Chancen, in das Dresdner Landesparlament einzuziehenFoto: dpa

Nach abwertenden Äußerungen über Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) hat der stellvertretende Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen, Thomas Hartung, alle Ämter niedergelegt. Hartung verzichte auch auf eine Kandidatur bei der Landtagswahl in Sachsen, teilte die AfD am Mittwoch in Dresden mit.

Hartung hatte Menschen mit Trisomie 21 öffentlich die Fähigkeit abgesprochen, den Beruf eines Lehrers ausüben zu können, und damit Empörung ausgelöst. Konkret hatte er bei Facebook über einen Spanier gelästert, der das Down-Syndrom hat und seit 2009 Lehrer ist. "Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu. (...) Wo soll das hinführen, wenn es als normal gezeigt wird?"

Es folgte ein Shitstorm, der Beitrag verbreitete sich durch das Internet. Die Technische Universität Dresden, wo Hartung als freier Dozent Medienproduktion unterrichtet, ging auf Distanz. Uni-Rektor Hans Müller-Steinhagen erklärte: "Die TU Dresden distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalt und Form der Äußerungen seitens Herrn Dr. Thomas Hartung. Sie stehen in krassem Gegensatz zu den Werten, für die die Universität eintritt und nach denen sie handelt. Herr Dr. Hartung wurde bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert, eine Prüfung der Konsequenzen ist eingeleitet."

Frauke Petry: Hartung hat "Riesenschaden für die AfD" angerichtet

Er bat um Verzeihung. "Ich bitte den spanischen Lehrer Pablo Pineda und weiterhin alle direkt und indirekt betroffenen Bürger aufrichtig um Verzeihung für meine Äußerungen über die Fähigkeiten behinderter Menschen. Mir ist inzwischen bewusst geworden, dass ich damit unabsichtlich einen Schaden für die AfD verursacht und wiederholt gegen ihre politischen Grundsätze verstoßen habe. Dies tut mir unendlich leid", erklärte er nach Angaben seiner Partei.

Am Dienstagabend hatte der sächsische AfD-Vorstand auf einer außerordentlichen Sitzung die Lage besprochen. Hartung war auch Pressesprecher der AfD in Sachsen. Die "Bild"-Zeitung zitierte die Parteivorsitzende Frauke Petry mit den Worten, Hartung sei "klar, dass er einen Riesenschaden für die AfD angerichtet hat". Er wolle mit seinem Rückzug weiteren Schaden von der Partei abwenden. Hartung, der die Partei gemeinsam mit Petry in Sachsen aufgebaut hat, will demnach einfaches Mitglied bleiben.

Am 31. August wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Forsa-Umfrage sieht die AfD mit acht Prozent klar im nächsten Landesparlament. (mit dpa)

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