Politik : Merkel fordert von Türkei Bewegung im Streit um Zypern

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Athen - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Dienstag bei einem Besuch auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern an die Türkei appelliert, mehr zu einer Lösung des Inselkonflikts beizutragen. Die Führer der griechischen und der türkischen Volksgruppen verhandeln seit dem Herbst 2008 über eine Vereinigung der Insel, die seit der türkischen Invasion von 1974 geteilt ist. Dem griechisch-zyprischen Präsidenten Dimitris Christofias attestierte Merkel, er habe bei den Verhandlungen viel „Kreativität“ und „ein sehr hohes Maß an Kompromissbereitschaft bewiesen, das bislang leider noch nicht so erwidert wurde“. Sie werde bei ihren Gesprächen mit türkischen Politikern auf Fortschritte bei den Bemühungen um eine Lösung der Zypernfrage drängen, sagte Merkel. Fortschritte bei dem Einigungsprozess seien nicht nur für Zypern selbst wichtig, sondern auch für die europäische Sicherheitspolitik, unterstrich die Kanzlerin.

Auch der zyprische Präsident Christofias appellierte an die Türkei, mehr zum Einigungsprozess beizutragen. Zypern setze bei den Bemühungen um eine Beendigung der türkischen Besetzung des Inselnordens auf die Unterstützung Deutschlands, sagte Christofias. Als Deutsche könne sie „emotional sehr gut nachvollziehen, was die Teilung bedeutet“, sagte Merkel ihren zyprischen Gastgebern. Der deutsche Wiedervereinigungsprozess sei aber wegen der „sehr unterschiedlichen Sachverhalte“ der Zypernteilung nicht als Modell auf die Insel übertragbar. Sie wünsche den Zyprern aber „von ganzem Herzen, dass die Teilung ihres Landes überwunden werden kann“, sagte die Kanzlerin.

Zum Abschluss ihres fünfstündigen Kurzbesuchs besuchte Merkel die „Grüne Linie“, die seit 1974 von West nach Ost über die Insel verläuft und auch die Hauptstadt Nikosia teilt. Die Trennungslinie wird von Blauhelmsoldaten der UN-Friedenstruppe überwacht. Im Hauptquartier der Friedenstruppe stieg Merkel, begleitet von UN-Vertretern, auf das Flachdach des fünfstöckigen Gebäudes. Von dort hat man einen Überblick über die mit Stacheldraht und Panzersperren gesicherte Pufferzone zwischen beiden Teilen Nikosias und einen Ausblick auf den türkisch besetzten Nordsektor der Inselhauptstadt. Gerd Höhler

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