Messerangriff auf Henriette Reker : Pegida hat in Köln mitgestochen

Die OB-Kandidatin Henriette Reker wird am Wahlkampfstand schwer verletzt. Das ist auch das Ergebnis der Hetze fremdenfeindlicher Gruppen. Ein Kommentar.

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Die Spurensicherung am Braunsfelder Wochenmarkt.
Die Spurensicherung am Braunsfelder Wochenmarkt.Foto: dpa

Dresden: Auf einer islamfeindlichen Pegida-Demonstration droht ein Mann Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel mit ihrer Hinrichtung. Er hat einen Galgen dabei und lässt auf Schildern wissen, dieser sei für die Politiker "reserviert". "Abschieben, Abschieben!", skandiert die Menge der "Asylkritiker" währenddessen.

Köln, fünf Tage später: Ein Mann attackiert die Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer, verletzt sie schwer am Hals. "Ich habe das wegen Rekers Flüchtlingspolitik getan“, sagt er nach Angaben von Zeugen.

Völlig egal, ob der Mann geistesgestört ist oder noch alle Sinne beisammen hat: Die Saat der Hetze gegen Asylbewerber ist aufgegangen. Pegida hat mitgestochen.

Natürlich: Nicht jeder der 9000 Demonstranten trachtet den "Volksverrätern" nach dem Leben. Wenn überhaupt, trifft dies nur auf eine Minderheit zu.

Dennoch, die Art und Weise, wie Pegida-Chef Lutz Bachmann und Co. die Menge mit Hetzreden aufpeitscht, die Feindseligkeiten gegenüber Flüchtlingen und denen, die sich für sie einsetzen, sprechen eine klare Sprache.

"Volksverräter" ist NS-Jargon. Bereits 1933 führten die Nationalsozialisten für "Hochverrat" die Todesstrafe ein. "Lügenpresse auf die Fresse" ist ebenso als eine klare Handlungsempfehlung zu verstehen.

Der Attentäter von Köln, mag ein Einzeltäter sein. Die zahlreichen Brandanschläge auf leerstehende und bewohnte Flüchtlingsunterkünfte in den vergangenen Monaten sind allerdings von genauso mörderischer Qualität. Nur aus purem Zufall ist nach einem Anschlag noch kein Mensch in den Flammen verbrannt.

Es ist gut, dass die Oberbürgermeister-Wahl in Köln trotz des – man muss es wohl so sagen  –  Mordversuches stattfinden wird. Die Zivilgesellschaft darf nicht einknicken. Nicht vor Messerangriffen, nicht vor Galgen, nicht vor Hetz-Parolen.

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