Messerangriff in Hannover : Terrorverdacht gegen 15-Jährige erhärtet sich

Die 15-Jährige, die in Hannover auf einen Bundespolizisten eingestochen hat, hatte als Kind womöglich Kontakt zum Salafisten Pierre Vogel. Unterdessen gab es ein Urteil im Islamisten-Prozess in Dinslaken.

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Ein Beamter der Bundespolizei im Hauptbahnhof von Hannover (Archivbild).
Ein Beamter der Bundespolizei im Hauptbahnhof von Hannover (Archivbild).Foto: Holger Hollemann/dpa

Die Terrorgefahr nimmt in Deutschland offenbar ein bizarres Ausmaß an. Erstmals steht eine Schülerin in Verdacht, aus einem islamistischen Motiv heraus einen Anschlag verübt zu haben. Das 15 Jahre alte Mädchen hatte am Freitag vor einer Woche im Hauptbahnhof Hannover einem Beamten der Bundespolizei mit einem Messer in den Hals gestochen. Der Polizist hatte zusammen mit einem Kollegen die Jugendliche kontrollieren wollen, weil sie den Beamten mit einem starren Blick hinterhergelaufen war. Die junge Messerstecherin wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Der Polizist wurde in einer Notoperation gerettet. Sicherheitskreise halten es für möglich, dass die Schülerin Kontakt zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte.

Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass die 15-Jährige schon als Kind mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel in Verbindung gestanden hatte. Vogel, ein deutscher Konvertit und ehemaliger Boxer, ist einer der bekanntesten Agitatoren der Szene. Die Schülerin sei in Videos mit Vogel zu sehen, heißt es in Sicherheitskreisen. Der Salafist spricht mit dem Kind darüber, dass Frauen ein Kopftuch tragen müssten. Die Schülerin ist da bereits entsprechend verhüllt.

Die Kriminalpolizei hatte die Jugendliche offenbar schon länger im Blick. Vermutet wird, das Mädchen habe sich dem IS anschließen wollen. Im Januar soll die Schülerin nach Istanbul gereist sein, womöglich mit der Absicht, nach Syrien zu gelangen. Die Mutter konnte ihr Kind jedoch wieder nach Deutschland zurückbringen. Der Bruder des Mädchens ist offenbar ebenfalls radikalisiert. Er wurde in der Türkei nahe der Grenze zu Syrien festgenommen. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass sich der junge Mann zum IS begeben wollte.

"Lohberg-Brigade": Nils D. zu mehrjähriger Haft verurteilt

Unterdessen hat das Oberlandesgericht Düsseldorf den einstigen Dschihadisten Nils D. wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 25-jährige Konvertit gehörte zu einer Gruppe von Salafisten in Dinslaken (Nordrhein-Westfalen), der „Lohberg-Brigade“, die sich in Syrien dem IS angeschlossen hatte.

Im Prozess hat Nils D. zugegeben, im März 2014 Mitglied der damals noch ISIS heißenden Terrororganisation geworden zu sein. Bei einer Sicherheitseinheit“ beteiligte er sich an der Jagd auf Spione und Deserteure. Im November 2014 kehrte Nils D. nach Deutschland zurück, zwei Monate später nahm ihn die Polizei fest. Da Nils D. in der Hauptverhandlung ein umfassendes Geständnis ablegte, fiel das Urteil relativ milde aus.

Zur Lohberger Brigade zählte ungefähr ein Dutzend Salafisten. Mindestens drei kamen in der syrisch-irakischen Konfliktregion ums Leben. Einer von ihnen starb als Selbstmordattentäter. Philipp B. sprengte sich im August 2014 im Nordirak beim Angriff auf kurdische Kämpfer in die Luft.

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